Der Meister der Bälle

David Plattner ist Senioren-Europameister im 8-Ball. Der St. Galler ist im positiven Sinn ein Billard-Verrückter und denkt auch gerne über seinen Sport nach. Er will sein Wissen weitergeben.

Markus Zahnd
Merken
Drucken
Teilen
«Man spielt vor allem gegen die Bälle, die Situation und sich selber», sagt David Plattner. (Bild: Reto Martin)

«Man spielt vor allem gegen die Bälle, die Situation und sich selber», sagt David Plattner. (Bild: Reto Martin)

Billard. 1986 erhielt der inzwischen verstorbene Paul Newman einen Oscar für seine Rolle im Film «Colour of Money». Newman verkörperte einen Poolbillard-Spieler. Dieser Film, der in Europa einen Billard-Boom auslöste, hat David Plattner inspiriert. Der damals 18jährige St. Galler entwickelte eine Leidenschaft für den Sport, die er auch heute noch in sich trägt. Vor kurzem errang er seinen grössten internationalen Erfolg: Plattner wurde Senioren-Europameister im 8-Ball.

Plattner ist aber nicht nur ein Billard-Spieler, er ist bisweilen auch Billard-Philosoph. Er weiss viel über seinen Sport, benützt beim Erklären äusserer Einflüsse auf das Spiel immer wieder Metaphern. Er sagt aber auch, dass Billard harte Arbeit und vor allem auch ein Sport sei, bei dem der mentale Aspekt ungemein wichtig sei: «Man spielt nur indirekt gegen den Gegner. In erster Linie spielt man gegen die Bälle, die Situation und gegen sich selber.

» Gerade an der EM konnte Plattner seine mentale Stärke ausspielen: «Ich bin ein sehr konzentrierter Mensch und kann gut mit Druck umgehen.»

Kenner aller Disziplinen

Mit dem Gewinn des EM-Titels ist Plattner im holländischen Leende ein Coup gelungen. Denn seine ersten Erfolge liegen einige Zeit zurück. Bereits vor 20 Jahren gewann er in verschiedenen Disziplinen Titel auf nationaler Ebene. Er beherrscht sowohl Trickstösse als auch Varianten, in denen es vor allem um das Lochspiel geht.

«Ich kenne und mag alle Disziplinen. Und was man bei der einen können muss, kann ja auch in einer anderen eingesetzt werden.» Zuletzt gewann Plattner vor allem nationale Titel mit der Mannschaft, dem Ostschweizer Billard Club. «Mit unserem Team wurden wir in den vergangenen zehn Jahren dreimal Erste, dreimal Zweite und dreimal Dritte.»

Sein Training hält sich derzeit aber in Grenzen. «Als junger Spieler habe ich bis zu vierzig Stunden pro Woche trainiert. Vor der EM habe ich es immerhin geschafft, mich an zwei Stunden pro Tag vorzubereiten.» Dass er nicht mehr so viel in sein eigenes Spiel investieren kann, liegt auch daran, dass er mittlerweile Billard-Lektionen erteilt. «Ich will mein Wissen weitergeben», sagt der 42-Jährige, der früher Deutsch und Englisch unterrichtet hat. Dazu bietet er in Rorschach auch Hobbyspielern Trainings an.

Pokal statt Oscar

Plattners Traum ist es, vom Billard leben zu können. Dafür müsste er aber auswandern. Der Boom, der von Newman ausgelöst wurde, ist mittlerweile abgeklungen. In der Schweiz gibt es knapp 300 lizenzierte Spieler – Plattner gehört zu den Besten. Und statt eines Oscars gehört nun immerhin ein grosser, silberner Pokal zu seiner Trophäensammlung.