Der Mann, der Grönemeyer holte

Adrian Osterwalder organisiert Events aus Leidenschaft. Dabei verlässt er sich vor allem auf sein Bauchgefühl und organisiert im Winter schon mal ein Open-Air-Konzert. Eigentlich ist der Gaiserwalder aber Leiter eines Sozialamtes.

Nina Rudnicki
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Adrian Osterwalder auf dem Dach der Mehrzweckhalle in Engelburg. Hier hat er vor zehn Jahren seinen ersten Event, die Engelburger Guggänacht, organisiert. (Bild: Ralph Ribi)

Adrian Osterwalder auf dem Dach der Mehrzweckhalle in Engelburg. Hier hat er vor zehn Jahren seinen ersten Event, die Engelburger Guggänacht, organisiert. (Bild: Ralph Ribi)

GAISERWALD. Viele gute Ideen fallen Adrian Osterwalder ein, wenn er nachts wach liegt. Etwa Herbert Grönemeyer für einen Open-Air-Auftritt mitten im Winter in der 1200-Seelen-Gemeinde Tübach zu buchen. Oder St. Gallen während dem Military Tattoo in ein Mekka aller Schottland-Fans zu verwandeln. Seiner Frau Claudia fällt dann morgens jeweils die Aufgabe zu, zu beurteilen, ob die nächtlichen Gedankenblitze ihres Mannes etwas taugen. Und dennoch: «Du bist doch verrückt», so würden viele reagieren, wenn er von seinen Plänen erzähle, sagt Osterwalder, der sich aber stets auf sein Bauchgefühl verlässt.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Osterwalder ist kein gelernter Eventmanager. Er ist der Leiter des Sozialamtes in Gaiserwald. Vor allem ist der 36-Jährige engagiert. Einst als Schulrat und Captain eines Tennisteams, derzeit als Dozent für Sozialhilfe an der Akademie St. Gallen, als Vizepräsident der Highland Games sowie als Präsident der Tattoo St. Gallen und der Kontur Events.

Angefangen hat aber alles in jener Zeit vor zehn Jahren, als Osterwalder noch Trompeter bei der Engelburger Gugge Chapf-Chläpfer war. Damals herrschte beim Verein finanzieller Notstand. «Aus dieser Not galt es eine Tugend machen», sagt er. Osterwalder rief kurzerhand die Engelburger Guggänacht ins Leben. Eine Prominentenjury mit Toni Brunner, Paloma Würth und der damaligen Miss Ostschweiz als Juroren sollte die Aufmerksamkeit der Medien wecken. Der Plan ging auf: Die Promis sagten zu, die Sponsoren bezahlten im voraus, die Medien berichteten. «Es sei die bestorganisierte Guggennacht gewesen, hiess es in einigen Artikeln», sagt er und ein Lachen zieht sich dabei über sein Gesicht.

Osterwalder wirkt so gar nicht gestresst, obwohl er mittlerweile dreifacher Familienvater ist. Was er machen würde, wenn ihm doch einmal alles zu viel wird? Vielleicht einen zweistündigen Spaziergang, sagt er nachdenklich. Aber so weit sei es bisher noch nicht gekommen.

Mit unbeschwerter Freude

Osterwalder lebt für die Familie und für die Region. Aus seiner Heimatgemeinde Gaiserwald ist er noch nie weggezogen. Kombiniert ergibt das einen stolzen Lokalpatriotismus. Und dieser liegt ihm sehr am Herzen. «Wir brauchen uns nicht vor Städten wie Zürich, Bern oder Basel zu verstecken», sagt er. «In der Ostschweiz gibt es sehr viele Eventmöglichkeiten.» Osterwalders nächster Clou: Das «Cinema in Concert» in der Sporthalle Kreuzbleiche in St. Gallen. Ein Orchester mit 150 Musikern wird Hollywoodfilme, die tonlos auf eine Leinwand übertragen werden, musikalisch inszenieren.

Bis zu 30 Stunden pro Woche investiert Osterwalder nebst seinem 60-Prozent-Job bei der Gemeinde in die Organisation solcher Veranstaltungen. Ehrenamtlich. «Würden ich und das Team das nicht als Hobby machen, sondern hauptberuflich, würde wohl unsere Unbeschwertheit und Freude darunter leiden», sagt er. Ausserdem habe seine Familie jetzt viel mehr von ihm als damals, als er noch fünf Tage in der Woche auf dem Sozialamt der Stadt St. Gallen gearbeitet habe. Seine Familie hat Osterwalder längst mit seiner Begeisterung für Events angesteckt. «Meine Frau und ich arbeiten oft im Konturbüro zusammen und meine Tochter Aline hilft mit ihren elf Jahren bereits beim Verteilen von Flyer mit», sagt er. Wie etwa beim Grönemeyer-Konzert. «Dass wir noch als No-Name das Abschlusskonzert eines solchen Stars ergattert haben, ist schon ein Ding», sagt Osterwalder, der das Feuerwerk am Ende der Show übrigens eigenhändig aufgebaut und angezündet hat. «Grönemeyers Management hatte nichts geplant, aber ein Abschlusskonzert ohne Feuerwerk geht doch nicht.»

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