Der Macher im Hintergrund

WITTENBACH. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Wittenbach-Kronbühl wird 100. Rudolf Schönenberger ist seit 20 Jahren aktiv dabei. Er versucht, auch Jugendliche zu gewinnen. Bisher erfolglos.

Martina Kaiser
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Rudolf Schönenberger sieht gerne Fotos von KAB-Anlässen an. (Bild: Martina Kaiser)

Rudolf Schönenberger sieht gerne Fotos von KAB-Anlässen an. (Bild: Martina Kaiser)

Rudolf Schönenberger sitzt da, trinkt seinen morgendlichen Kaffee – ohne Zucker, mit Milch – und schaut sich Fotos von seinen Vereinskollegen an. Hier ist ein rutenschwingender Schmutzli, da ein jassender Pater. Der 75-Jährige erinnert sich gerne an die jährlichen Anlässe zurück. Den Chlausabend, den Maibummel durchs Dorf, den Museumsbesuch in St. Gallen, den Verkauf des Bienenhonigs aus Guatemala.

Junge haben keinen Bock

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) ist ein gesellschaftlicher Verein. Trotzdem habe sich in den vergangenen 20 Jahren nicht viel verändert, sagt Schönenberger. Nur die Mitgliederzahl. Ja, die sei stetig zurückgegangen. Heute liegt sie bei 140. Grund sei das hohe Durchschnittsalter: «Viele sterben und nur wenige treten in den Verein ein – vor allem keine Jungen.» Junge, das sind für Rudolf Schönenberger 20- bis 30-Jährige.

Um dieser Altersgruppe die Kirche und das Pfarreileben schmackhaft zu machen, startete die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Wittenbach-Kronbühl vor einigen Jahren eine Werbeaktion: Mit Hilfe der Gemeinde schrieb sie damals Jugendliche und junge Erwachsene an und lud sie zu einem Schnuppertag ein. Erschienen sind wenige, in den Verein eingetreten keiner.

Fusion zweier Bewegungen

Die Arbeitnehmer-Bewegung unternahm danach lange nichts mehr. Zu lange, findet Rudolf Schönenberger. Er will darum erneut eine Aktion auf die Beine stellen. Wann diese stattfinden und wie sie aussehen soll, weiss er aber noch nicht.

Vor 100 Jahren war das Interesse der Jugend an der Kirche grösser. So war der Gründer der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung ein 18jähriger Wittenbacher, der später als Nationalrat bekannt wurde: Josef Scherrer.

Die Gründung erfolgte im Herbst 1909, die erste Hauptversammlung fand im Februar des darauffolgenden Jahres statt. Warum der Name Katholische Arbeitnehmer-Bewegung? «Die Mitglieder waren zu einem grossen Teil Arbeitnehmer, die sich für einen sozialen Umgang im Betrieb und in der Gesellschaft stark machten», sagt Rudolf Schönenberger.

Aus diesem Gedanken heraus hätten die damals 60 Mitglieder direkt bei den Lebensmittelproduzenten eingekauft, um die Produkte den Wittenbachern dann zum Einstandspreis weiterzuverkaufen. 1970 erfolgte die Fusion zwischen der Arbeitnehmerinnen-Bewegung und der Arbeitnehmer-Bewegung: Die Zahl der katholischen und reformierten Mitglieder – auch andere Religionen sind willkommen – stieg von 60 auf 180.

Festgottesdienst mit Jodelchörli

Das war vor Rudolf Schönenbergers Zeit. Und obwohl der Verein in den vergangenen Jahren keine markanten Veränderungen durchlebt habe, sei es nie langweilig, findet Schönenberger. Langweilig soll es auch an der Jubiläumshauptversammlung vom kommenden Samstag, 13. Februar, nicht werden. Um 11 Uhr findet in der Kirche St. Konrad ein öffentlicher Festgottesdienst mit Pater Franz Reinelt von der Unteren Waid statt; das Jodelchörli St. Gallen Ost wird den Anlass musikalisch umrahmen.

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