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Der letzte Bahnhofinspektor von St. Gallen

Nachruf
Claudia Schmid
Alex Stähli (1935 – 2018) (Bild: PD)

Alex Stähli (1935 – 2018) (Bild: PD)

Am 14. März ist Alex Stähli im Alter von 83 Jahren verstorben. Er war der letzte Bahnhofinspektor von St. Gallen, engagierte sich im St. Galler Stadtparlament für eine soziale Politik und war Mitbegründer der Christlichsozialen Wohnbaugenossenschaft. Verschiedene Vereine konnten auf sein aktives Mitwirken zählen. Die Chlausgruppe St. Otmar und der Postturnverein sind Beispiele dafür. Alex Stähli liebte die Natur und war oft und gerne in den Bergen unterwegs. Er fuhr Ski, klopfte regelmässig einen Jass im alten Bahnhofbuffet und pflegte zusammen mit seiner Frau Trudi das urwüchsige Fasnachtstreiben der «Oberländer». Als gebürtige Flumser sammelten sie Holzmasken und erschreckten mit ihnen oft arglose Menschen in Ratsstuben, Restaurants und auf den Strassen. Er war ein ausgeprägter Familienmensch und liebte sein Zuhause in der Eisenbahnersiedlung im Schoren. Bis zuletzt interessierte ihn das Geschehen in der Stadt: Er verfasste immer wieder zu den verschiedensten Themen Leserbriefe.

Sein Berufsleben führte Alex Stähli an etliche SBB-Stationen. Zu ihnen zählten Sargans, Thalwil, Maienfeld, Trübbach, Rebstein, Unterterzen, Wiedikon, Buchs, Zürich und schliesslich St. Gallen, wo er elf Jahre wirkte. Als er Ende Juni 1997 als Bahnhofinspektor in den Ruhestand trat, bedeutete dies für den Hauptbahnhof St. Gallen gleichzeitig der Abschied von einem Zeitalter: Künftig gab es hier keinen Bahnhofvorstand mehr, weil St. Gallen neu Sitz einer «Verkaufs- und Produktionsregion» wurde.

Alex Stähli galt stets als freundlicher und hilfsbereiter «Capo stazione». Auch in heiklen Situationen wie etwa bei Unfällen oder bei Umstrukturierungen verweigerte er den Medien nie die Auskünfte und versteckte sich auch nicht hinter Pressesprechern. «Wer von mir Informationen brauchte, hat sie immer bekommen. Ich habe meine Arbeit sehr gern gehabt und nichts beschönigt», erklärte er bei seiner Verabschiedung als letzter Bahnhofinspektor Ende Juni 1997.

In seine Zeit als Bahnhofvorstand fielen gewichtige Umbauprojekte der SBB. Das kam ihm entgegen, da sein Wunschberuf weder Bahnhofinspektor noch Lokomotiv-Führer, sondern Architekt war, wie er bei seiner Pensionierung schmunzelnd preisgab. Das Schicksal des Hauptbahnhofs und seiner Umgebung beschäftigte Alex Stähli weit über den Ruhestand hinaus. Im Vorfeld zur Abstimmung der Bahnhofplatzvorlage warb er in einem Leserbrief für eine Verlängerung der Bahnhofunterführung bis zum Kornhausplatz.

Auch nach seiner Pensionierung blieb Alex Stähli weiter im St. Galler Stadtparlament. Als CSP-Mitglied setzte er sich vor allem für soziale Anliegen ein. Als er Ende 2000 freiwillig aus dem Stadtparlament ausschied, würdigten die Kolleginnen und Kollegen im Rat seine «konziliante und faire Haltung» bei den politischen Diskussionen.

Grosse Verdienste machte sich Alex Stähli auch im Bereich der Wohnbaugenossenschaften. Im Oktober 1991 war er Mitbegründer der Christlichsozialen Wohnbaugenossenschaft St. Gallen und bis 2009 ihr erster Präsident. Ihm war es stets ein grosses Anliegen, vor allem bedürftigen Familien Wohnraum zu fairen Mietzinsen zur Verfügung zu stellen. Heute verfügt sie über zehn Liegenschaften. Zudem arbeitet sie am Bauprojekt «Betreutes Wohnen Riethüsli», für das ein modernes Alterszentrum entstehen soll. Alex Stähli starb unerwartet nur wenige Monate nach seiner Frau Trudi.

Claudia Schmid

stadtredaktion@tagblatt.ch

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