Der Langstreckenläufer

Armin Bossart steht vor der Wahl zum Kirchenverwaltungsratspräsidenten der Katholischen Kirchgemeinde. Der Rechtsanwalt will Kirchenstrukturen für die kommende Generation schaffen. Und sich nicht in die Seelsorge einmischen.

Daniel Klingenberg
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«Die Kirchgemeinde steht vor Herausforderungen, die mich reizen.» Armin Bossart über seine Motivation für das Kirchenamt. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Die Kirchgemeinde steht vor Herausforderungen, die mich reizen.» Armin Bossart über seine Motivation für das Kirchenamt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Auf der einen Seite hängen Bilder von Ferdinand Gehr, auf der anderen stehen die gesammelten Entscheide des Bundesgerichts: Armin Bossart empfängt im Besprechungszimmer der Anwaltskanzlei, die er zusammen mit vier weiteren Anwälten als Partner führt. Er spricht über Kirche und Kultur, über sein Leben als Rechtsanwalt und Privatperson. Bossart steht vor der Wahl zum Kirchenverwaltungsratspräsidenten der Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen, und fast scheint er sich rechtfertigen zu wollen, mit gerade mal 37 Jahren dieses Amt zu übernehmen. «Vielleicht stellt man sich dafür jemanden mit graueren Haaren vor.» Und macht sich im Nachsatz über seine schwindende Haarpracht lustig.

Mindestes ein 40-Prozent-Job

Rund 29 000 Katholiken leben in St. Gallen, der siebenköpfige Kirchenverwaltungsrat leitet die Verwaltung der Riesengemeinde. Sie hat ein Budget von rund 21 Millionen Franken, allein im Personalbereich sind es 9 Millionen. Das Präsidium ist ein 40-Prozent-Job, bei Bedarf können es einige Prozent mehr sein. Armin Bossart will Strukturen für die Zukunft schaffen. «Die Kirchgemeinde steht vor zwei grossen Herausforderungen, die mich reizen. Einerseits muss sie aufgrund sich abzeichnender Finanzknappheit immer bewusster entscheiden, in welche Projekte sie investieren will. Anderseits wird sich der Personalmangel in Zukunft verschärfen und werden Freiwillige in der Kirche deutlich mehr Arbeiten machen müssen.»

Das klingt etwas trocken. Aber Bossart muss in diesem Amt verschiedenste Interessen berücksichtigen. Wenn es um Personalentscheide oder Millionenbauten geht, ist das auch kommunikativ eine anspruchsvolle Aufgabe. «Ich bin keiner, der sagt: Alle mir nach! Meine Stärke ist es, alle Personen an einen Tisch zu holen und gemeinsam Lösungen zu finden», sagt er.

Der Mann im Hintergrund

Das ist umso wichtiger, weil die katholische Kirche zwei Leitungsgremien hat: Einerseits die Verwaltung, anderseits die Seelsorger. Bossart hat klare Vorstellungen von seiner Rolle: «Ich bin auf der Verwaltungsseite gut aufgehoben. Als Mann im Hintergrund helfe ich, den ganzen Betrieb am Laufen zu halten.» Aber neben dem Verwalten braucht es auch das Gestalten. Darüber lässt sich Bossart, der in St. Gallen Recht studiert und danach zu einem Krankenversicherungsthema doktoriert hat, wenig entlocken. Immerhin: «Ich scheue mich nicht, kritische Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Braucht die nächste Generation die kirchlichen Bauten, in die wir heute Millionen investieren wollen?» Und er weiss dabei natürlich, dass die Pfarreien eigene Interessen haben und sich für diese einsetzen.

Vorsichtig konkret

Auch beim zweiten Strukturthema wird Armin Bossart vorsichtig konkret. «Die Verwaltung hat den Blickwinkel: Was können wir uns noch leisten? Heute hat die Kirchgemeinde St. Gallen elf Pfarreien. Über die Pfarreigrenzen müssen wir in Zukunft diskutieren.» Und weil er auch hier weiss, dass solche Veränderungen Emotionen wecken, versichert er, dass eine Neuaufteilung ein Entscheid aller Beteiligten sein müsse.

Mit langem Atem

Dabei will er einen langen Atem haben. Auch wenn er kein Sportler ist, umschreibt er sich mit einer Sportmetapher: «Ich bin eher ein Langstreckenläufer als ein Sprinter. Ich möchte nachhaltig etwas bewirken.» Für diese Aufgabe reduziert Bossart seine Anwaltstätigkeit und steigt aus der CVP-Parteileitung aus.