Der Kugelfang wird entgiftet

Auf der Schiessanlage Witen in Goldach wird im Rahmen der Sanierung mit Blei belasteter Boden abgetragen und entsorgt. Anstelle der bisherigen Erdwälle wird ein emissionsfreies künstliches Kugelfangsystem angebracht.

Rudolf Hirtl
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Blick auf den bereits sanierten Kugelfang der 300-Meter-Anlage. Nach der Montage des neuen Kugelfangsystems soll die Schiessanlage Witen im März 2016 wieder in Betrieb gehen. (Bilder: Rudolf Hirtl)

Blick auf den bereits sanierten Kugelfang der 300-Meter-Anlage. Nach der Montage des neuen Kugelfangsystems soll die Schiessanlage Witen im März 2016 wieder in Betrieb gehen. (Bilder: Rudolf Hirtl)

GOLDACH. Der «Spatenstich» sei bewusst erst nach Beginn der seit 1. Oktober laufenden Sanierungsarbeiten angesetzt worden, damit der Umfang der Arbeiten sichtbar sei, sagte Thomas Würth an der gestrigen Begehung der Baustelle. Und der Präsident des Verwaltungsrates «Zweckverband gemeinsame Schiessanlage Witen», konnte zusammen mit Fabian Anthamatten vom Büro Andres Geotechnik und Heinrich Adler vom Amt für Umwelt des Kantons St. Gallen (AFU) denn auch spannende Einblicke gewähren. Die von Baggern freigeschaufelten Bodenschichten sind übersät mit roten rostigen Punkten, die Einschlagstellen von Kugeln sichtbar machen. Das riesige Gelände wird von einer morastigen Baupiste durchzogen und bei der 300-Meter-Anlage wurden mittlerweile sämtliche kontaminierten Erdschichten abgetragen und abgeführt.

Boden wird gewaschen

«Die Erdschichten sind unterschiedlich stark belastet. Hier am 300-Meter-Kugelfang fällt auf, dass die Kontaminierung des Bodens bereits nach wenigen Zentimetern stark abnimmt. Ursache dafür ist der komprimierte Moränenboden. Er ist beinahe so hart wie Beton und hat die Kugeln nicht tief eindringen lassen», sagt Fabian Anthamatten. Gemäss seiner Angaben sind einzelne lokal begrenzte Bereiche mit bis zu 5000 Milligramm Blei pro Kilogramm Boden (mg/kg TS) belastet. Ein Wert von 500 bis 2000 Milligramm entspricht einer mittleren Belastung. «Das am stärksten belastete Material geht in die Bodenwaschanlage in Rümlang. Der Rest bleibt im Raum St. Gallen und wird auf eine Reaktorstoffdeponie wie Tüfentobel geführt, schwach belastetes auf eine Inertstoffdeponie», so der Fachmann.

Beim der 300-Meter-Anlage sei das Sanierungsziel mit dem verbliebenen 1000 ppm (parts per million, also der millionste Teil einer Sache) bereits erreicht. Aktuell erfolgt die Altlastensanierung der 50- und 100-Meter-Anlage. Geschossen wird auf der Witen über 100 Meter zwar seit 1993 nicht mehr. Weil der als Kugelfang dienende Erdwall damals aber ohne Sanierung planiert wurde, ist auch dieser Bereich in seine ursprüngliche Nutzbarkeit zurückzuführen.

In Trichter statt Boden schiessen

Laut Heinrich Adler vom AFU müssen noch in Betrieb stehende Schiessanlagen gemäss Auflagen des Bundes bis Ende 2020 entweder stillgelegt oder auf emissionsfreie Trefferanzeigen umgestellt werden. Diese Umstellung und die Sanierung kosten den Zweckverband 755 000 Franken. Den entsprechenden Kredit haben die Delegierten der Mitgliedergemeinden Goldach, Rorschach, Rorschacherberg, Rheineck und Thal gutgeheissen. Bereits abgezogen sind bei diesem Betrag Subventionen in der Höhe von 403 000 Franken. Inkludiert ist dafür die Umstellung auf künstliche Kugelfangsysteme. Laut Xaver Leu von der Lieferfirma Leu & Helfenstein AG in St.Erhard dringen die abgefeuerten Kugeln durch die Frontplatte in den Kasten und werden von seitlich angeordneten Stahlplatten abgelenkt, abgebremst und fallen in Schubladen, wodurch eine Kontaminierung des Bodens künftig ausgeschlossen ist. Auslöser für die 1972 erstellte Schiessanlage Witen war seinerzeit der Bau der Autobahn. Die damalige Anlage am Sulzberg musste geräumt werden. Die Kapazität der Anlage ist nicht ausgeschöpft, weitere Gemeinden wären willkommen.

Heinrich Adler Amt für Umwelt Kanton SG (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Heinrich Adler Amt für Umwelt Kanton SG (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin

Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin

Fabian Anthamatten mit einer Handvoll verrosteter Kugeln aus dem Kugelfang der 50-Meter-Anlage. Auf die Scheiben der Schiessanlage Witen werden jährlich 60 000 Schuss abgefeuert. (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Fabian Anthamatten mit einer Handvoll verrosteter Kugeln aus dem Kugelfang der 50-Meter-Anlage. Auf die Scheiben der Schiessanlage Witen werden jährlich 60 000 Schuss abgefeuert. (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)