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Der Künstler spielt

Der St. Galler Restaurator und Künstler Josef Geier lädt diese Woche zu einer Ausstellung in seinem Atelier. Dort macht er Energie sicht- und erfahrbar.
Beda Hanimann
Die Erde rostet, noch aber schwebt sie: Josef Geier mit einer seiner Installationen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Erde rostet, noch aber schwebt sie: Josef Geier mit einer seiner Installationen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Es gibt in Josef Geiers Atelier kein Bild, das einfach nur ein Bild ist. Kein Objekt, das reine Form ist. Was da steht und hängt, hat immer auch eine unmittelbare Funktion. Ein Goldklumpen schwebt durch magnetische Anziehung vor der Schnauze eines Schweins – bleibt aber unerreichbar. Eine rostige Erdkugel hängt in der Luft, auch sie in der Höhe gehalten durch Magnetkraft, gleichzeitig aber mit einem Draht am Boden festgemacht. Beim Aufziehen einer Plastikspritze – drittes Beispiel – hebt sich hinter einem Schauloch ein goldener Vorhang.

Alltägliches anders darstellen

So leben Geiers Werke einerseits von geheimnisvoller Bewegung, anderseits von rätselhafter Statik. Es fasziniere ihn, Energie, das nicht Sichtbare also, in der Gestalt von Objekten sichtbar zu machen, sagt der Künstler. Damit ermöglicht er auch einen neuen Blick auf Gegenstände und Gesetzmässigkeiten. Und macht aus dem Theoretischen eines Bildes etwas real Gegenständliches – aber auch umgekehrt. Kunst, sagt er, solle auch greifbar, ertastbar sein.

Geier will Alltägliches in eine andere Darstellung bringen, wie er sagt, er will dafür sensibilisieren, dass nicht alles selbstverständlich sei. Oder so wie erwartet. Dazu gehört, dass er immer wieder klassische Nutzgegenstände in seine Kunst einbezieht und damit verfremdet: Hammer, Spritze, Wollsocken, Bälle, Kerzen, Schutzhandschuhe.

Die Nähe zum Dinglichen und Greifbaren ist wohl kein Zufall. Sie verweist auf seinen handwerklich-künstlerischen Werdegang. Der 54-Jährige ist gelernter Schriftenmaler und Schreiner, seit bald 30 Jahren ist er als freischaffender Restaurator tätig. Er kenne in der Stadt wohl jedes historische Objekt, bei dem Holz eine Rolle spiele, hat er einmal gesagt.

Abschied vom Hintergrund

Nachdem er vor drei Jahren Tage des offenen Ateliers durchgeführt hatte, lädt er diese Woche wieder zu einer Ausstellung. Der Atelier- und Werkstattraum an der Wassergasse eigne sich gut dafür, findet er, er habe etwas Galeriehaftes. Die neue Ausstellung steht unter dem Motto «Hintergrund im Dialog mit Vordergrund». Sie zeigt Arbeiten, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Vordergrund und Hintergrund, da stelle sich auch die Frage nach dem Dazwischenliegenden, nach dem, was in der Mitte sei, sagt Geier. Das sei eine Sehnsucht, auf die die Kunst Antworten suche.

Mit der Ausstellung verabschiedet sich Geier von einer Schaffensphase, die er als «Hintergrund-Zyklus» bezeichnet. Nächstes Jahr will er sich einem neuen Thema zuwenden, er versteht es als seinen Beitrag zum Reformationsjahr. Es wird um Objekte gehen, die auf den Menschen reagieren. Aber nicht durch dessen bewusstes Eingreifen wie das Drehen an einer Kurbel oder das Ziehen an einer Spritze, sondern durch das blosse Nähertreten. Seinem Grundanreiz, dem Sichtbarmachen von unsichtbarer Energie, bleibt er also treu. Ebenso wie dem Hang zum Spielerischen.

Wassergasse 43, Dienstag–Freitag, 1.–4. November, jeweils ab 17 Uhr, Samstag, 5. November, 14–18 Uhr

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