Der Koran braucht eine Reformation

Raffaele F. schacher, Löwengartenstrasse 15, 9400 Rorschach
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Gerade als Freigeist, habe ich mir die Zeit genommen, den Koran, das heilige Buch des Islams, zu lesen. In Reimprosa verfasst, enthält der Koran die Offenbarungen Mohammeds aus den Jahren 608–632. Die 114 Suren (Kapitel) sind rituelle Gebetstexte, sie umfassen eschatologische Themen, Gottes Macht und Wirken, biblische Geschichten und soziale und kultische Vorschriften. Mein persönliches Urteil lautet: schön und gut, interessant und teil­weise inspirierend kontemplativ. Aber letztlich ein Katechismus, geprägt von einem tief mittelalterlichen Weltbild. Das Hauptproblem ist nicht der Koran, sondern die Tatsache, dass heute im Jahre 2017 nach Christi Geburt, nach der ­Fran­zösischen Revolution, der Aufklärung, der 68er-Bewegung und dem Feminismus immer noch eine überwältigende Mehrheit aller Muslime auf der Welt versucht, die «Botschaften» des Korans in unsere Lebenswirklichkeiten umzusetzen. Der Islam bräuchte, ähnlich wie das Christentum, eine Reformation, verbunden mit einem entspannten Verhältnis zu ihrer «heiligen Schrift».

Ich bin der Letzte, der ein Hohelied auf den Islam anstimmt, doch ich wäre auch der Letzte, der undifferenziert «den Islam» diffamiert. Es hilft niemanden, «Feindbilder» zu konstruieren, sondern nur durch Intelligenz, Differenzierung, Verhältnismässigkeit der Mittel können gute Lösungen entstehen.

Raffaele F. Schacher, Löwengartenstrasse 15, 9400 Rorschach