Der Kongressstadt fehlt das Geld

Der Stadtrat wird den Prozess zur Erarbeitung einer verbesserten Kongressstrategie neu aufgleisen. Ganz wichtiger Teil der Strategie ist die laufende Hotel-Standort-Evaluation. Standorte für neue Hotels sind gut - Investoren noch besser.

Daniel Wirth
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Hier finden Kongresse statt: Olma-Halle 9, Hotel Einstein, Fachhochschule, Weiterbildungszentrum Holzweid (von oben links im Uhrzeigersinn). (Bilder: Urs Jaudas, Urs Bucher, Hanspeter Schiess, Hannes Thalmann)

Hier finden Kongresse statt: Olma-Halle 9, Hotel Einstein, Fachhochschule, Weiterbildungszentrum Holzweid (von oben links im Uhrzeigersinn). (Bilder: Urs Jaudas, Urs Bucher, Hanspeter Schiess, Hannes Thalmann)

Stadtpräsident Thomas Scheitlin war am Dienstagabend erleichtert, als das Stadtparlament die umstrittene Kongressstrategie an den Stadtrat zurückgewiesen und nicht gleich versenkt hatte. Jetzt beginnt für die Stadt und die Akteure im Kongressgeschäft die Arbeit von neuem – doch das ist eine Chance. Wie Scheitlin gestern auf Anfrage sagte, werden wieder sämtliche Akteure ins Boot geholt. "Wir denken auch darüber nach, neue an Bord zu holen", sagt der Stadtpräsident. Stadtparlamentarier Etrit Hasler (SP) hatte am Dienstag in seinem Votum gesagt, er wundere sich, dass das Kantonsspital, das einen Steinwurf von den Olma Messen entfernt liege, nicht in den Prozess involviert sei, wo doch Medizinkongresse für St.Gallen sehr wichtig seien. Es scheint, als habe der Stadtpräsident sich die Diskussion um die Kongressstrategie genau angehört. Hasler sowie auch SVP-Stadtparlamentarier Christian Neff sagten am Dienstag, es fehle der Stadt als Kongressstandort vor allem an einer Sache: Hotelbetten. Dem pflichtet Stadtpräsident Scheitlin bei.

Hotelstandorte und -investoren

Der Stadtrat führt gegenwärtig eine Hotel-Standort-Evaluation durch mit dem Ziel, diese im nächsten Jahr vorlegen zu können. Er könne heute noch nicht genau sagen, wann die Suche nach Standorten für neue Hotels abgeschlossen sei, sagt Scheitlin. Erste Ergebnisse flössen aber in die überarbeitete Kongressstrategie mit ein. Allerdings, räumt er ein, sei die Suche nach Standorten nur ein Kapitel dieser Geschichte, ein weiteres sei die Suche nach Investoren, die Hotels in St.Gallen bauen wollten. Fehlende Hotelbetten sind der Hauptgrund, weshalb der internationale Brustkrebs-Kongress mit seinen gut 4000 Teilnehmern von hier nach Wien dislozierte.

Olma Messen investieren

Der internationale Darmkongress, der temporär von St.Gallen nach München zügelte, kehrt nun wieder hierher zurück. Wegen des Charmes der Stadt, wie Gründer Jochen Lange gegenüber dem Tagblatt sagte (Ausgabe vom 10. Oktober). Lange sagte, in den Olma-Hallen fehle es an Kongressinfrastruktur. Audio-, Licht- und Tontechnik müssten teuer zugemietet werden. Dass es an Infrastruktur mangle, möge sein, sagt Scheitlin, der als Stadtpräsident auch Verwaltungsratspräsident der Olma Messen ist. Allerdings investierten die Olma Messen ständig in die Kongressinfrastruktur, sagt er und nennt als Beispiel die Halle 9. Die Schwierigkeit sei: Jeder Kongress brauche eine andere Infrastruktur.

Etrit Hasler organisiert zwar keine Kongresse, aber Slam-Veranstaltungen; auch hier kommen viele Leute zusammen. Seine Erfahrungen in der Schweiz und in Deutschland zeigen, dass mancherorts ÖV-Tickets für Teilnehmer grosser Veranstaltungen eine Selbstverständlichkeit sind. In St.Gallen (noch) nicht. "Wir führten intensive Gespräche mit den Verantwortlichen des Tarifverbundes Ostwind", sagt Scheitlin. Das Ergebnis: Die ÖV-Tickets für Kongressgäste müssen von der Stadt bezahlt werden. Dazu soll auch ein Teil der jährlichen Erhöhung von 30 000 Franken an Beiträgen für die Kongressförderung dienen, sagt der Stadtpräsident.

Mit anderen verglichen

Basel-Stadt (Kanton und Stadt) fördert den Kongressstandort Basel mit jährlich zwei Millionen Franken. Das sei richtig, sagt Scheitlin. "In dieser Beziehung spielen wir in einer tieferen Liga." Bei den Dienstleistungen, die Kongressveranstaltern geboten werden, könne St.Gallen im Städtevergleich indessen mithalten. Man habe sich mit Mitbewerbern verglichen.

Sicht vom Dach des Kantonsspitals auf die Stadt St. Gallen. Olma Messe Areal.
22.11.2012 
Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Sicht vom Dach des Kantonsspitals auf die Stadt St. Gallen. Olma Messe Areal. 22.11.2012 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Aussenansicht des Congress Zentrum Einstein. (Bild: Urs Bucher)

Aussenansicht des Congress Zentrum Einstein. (Bild: Urs Bucher)

Bildtext: St. Gallen SG - Das Weiterbildungszentrum Holzweid der Universität St.Gallen (HSG) in Rotmonten soll ausgebaut werden. Am 14. Januar 2004 wurde die Botschaft der St.Galler Regierung an den Kantonsrat vorgestellt. Die Ehemaligen-Vereinigung der HSG bringt 12,2 der 24 Mio. Franken auf, die der Ausbau kosten soll.

Bildtext: St. Gallen SG - Das Weiterbildungszentrum Holzweid der Universität St.Gallen (HSG) in Rotmonten soll ausgebaut werden. Am 14. Januar 2004 wurde die Botschaft der St.Galler Regierung an den Kantonsrat vorgestellt. Die Ehemaligen-Vereinigung der HSG bringt 12,2 der 24 Mio. Franken auf, die der Ausbau kosten soll.