Der Kanton St. Gallen im Halbstundentakt

Mit dem gestrigen Urnenentscheid beteiligt sich der Kanton St. Gallen mit 49,9 Mio. Franken an der S-Bahn 2013, für die 200,4 Millionen budgetiert sind. Mit 29,6 Millionen werden Bundesgelder vorfinanziert.

Christoph Zweili
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Der neue SSB-Doppelstockzug für den Rheintal-Express. (Bild: pd)

Der neue SSB-Doppelstockzug für den Rheintal-Express. (Bild: pd)

ST. GALLEN. 30 Prozent mehr Zug ab Dezember 2013, mehr Direktverbindungen, kürzere Reisezeiten und neues Rollmaterial – das alles mit nur 50 Millionen Kantonsbeteiligung: Soviel Leistung für so wenig Steuerfranken lehnten am Wochenende nicht einmal die Gemeinden Uzwil, Jonschwil, Buchs, Wartau und Weesen ab, deren Bahnhöfe Algetshausen-Henau, Schwarzenbach, Räfis, Trübbach, Weite und Weesen vom S-Bahn-Netz abgehängt und künftig mit dem Bus erschlossen werden.

Gesamtkantonal standen 80,8 Prozent Ja- (93 793) lediglich 19,2 Prozent Nein-Stimmen (22 353) gegenüber.

Keller: «Ein guter Entscheid»

«Ein guter Entscheid für das Gemeinschaftsprojekt von Bund, Kanton und Bahnen», freut sich der kantonale Volkswirtschaftschef Josef Keller. «Das ist ein klares Bekenntnis für den öffentlichen Verkehr.» Dank bereits vom Bund beschlossener und finanzierter Beschleunigungsmassnahmen im Fernverkehr kommen nun alle grösseren

Bahnhöfe in den Genuss eines zumindest halbstündlichen Angebots im Regionalverkehr, die Stadt St. Gallen gar eines Viertelstundentakts. Um die Inbetriebnahme der S-Bahn 2013 nicht zu gefährden, werden später eintreffende Bundesmittel mit 30 Mio. Franken vorfinanziert. Die Schwachstellen der S-Bahn St. Gallen 2013 Richtung Zürich und Weinfelden sollen 2015, beziehungsweise 2018 verschwinden.

2015 ein dritter Zug

Ist Regierungsrat Josef Keller sicher, dass dannzumal im Kanton St. Gallen auch der Fernverkehr wie angekündigt im Halbstundentakt funktioniert? «Basis dafür ist ein Vier-Zug-Konzept mit stündlich zwei schnellen und zwei halbschnellen Verbindungen auf der Strecke Zürich–St. Gallen», bekräftigt Keller. «Der dritte Zug ist für 2015 vorgesehen», für den vierten brauche es noch weitere Ausbauten der Schieneninfrastruktur, «und das ist vermutlich ohne weitere kantonale Vorfinanzierungen nicht zu machen.

Und da ist noch einiges offen.» Baustellen gibt es auch noch im Rheintal zwischen Buchs–Sargans (Doppelspur) und Zürich–Chur, wo noch Infrastrukturausbauten nötig sind. «Das sind nationale Projekte und die Finanzierung daher heikel», sagt Keller.

Südostbahn dankt mit Extrazug

Gestern überwog vorerst die Freude bei den Kantonalparteien und Bahnen.

Während die CVP den «grossen Erfolg unseres scheidenden Verkehrsministers Joe Keller» an der Urne würdigte, wertete die FDP das Abstimmungsergebnis als «deutliches Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort». Die SP forderte, dass jetzt die bestehenden Mängel anzugehen seien.

Die Südostbahn verdankt das Ja an der Urne auf ihre Art: Sie lädt bereits am 20.

November 200 Personen ein, mit dem «Ringzug um den Säntis» (S4) die «neue Ära im öffentlichen Verkehr» zu erfahren.