Der Jüngste im Parlament

Überraschend wurde Alois Künzle (SVP) im vergangenen September ins Gossauer Stadtparlament gewählt. Der 25-Jährige will die Interessen der Landwirte vertreten. Dies wird er in den kommenden Wochen als Jüngster aller Parlamentarier tun.

Daniela Walter
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Stadtparlamentarier Alois Künzle bei der täglichen Arbeit auf seinem Hof. (Bild: Michel Canonica)

Stadtparlamentarier Alois Künzle bei der täglichen Arbeit auf seinem Hof. (Bild: Michel Canonica)

GOSSAU. Seit Anfang Jahr tut es Alois Künzle seinem älteren Bruder Thomas gleich: Er ist Mitglied des Gossauer Stadtparlaments. Dass die SVP einen Sitz dazugewinnen und es mit dem Einzug gleich beim ersten Anlauf klappen würde, damit hätte der 25-Jährige nicht gerechnet. Und wäre es nach ihm gegangen, hätte er auch noch «ein, zwei Jahre warten» können. Obwohl das seiner Person eigentlich gar nicht entspricht.

»Wenn ich einmal gross bin»

Schon früh habe er gewusst, was er später einmal werden möchte: Landwirt. Alois Künzle zieht seine orange Arbeitsjacke aus und schlüpft in ein blau-weiss kariertes Hemd. «Sorry», sagt er, «ich habe gerade eben noch einen Baum zersägt.» Vor zwei Jahren hat er den elterlichen Bauernbetrieb übernommen – damals war er gerade 23 Jahre alt. Sicherlich sei es früh gewesen, sagt er. Doch er habe den Schritt nicht bereut. «Wenn ich etwas will, dann zieh ich das auch durch. Lieber heute als morgen.» Zielstrebig sei er. Und voller Tatendrang. Als jüngstes von sechs Kindern habe er immer gleich viel gewollt wie die Grossen. «Ich konnte nicht schnell genug erwachsen werden.»

Politik am Mittagstisch

Hilft ihm diese Eigenschaft auch in der Politik? Künzle überlegt. «Sicherlich ist es von Vorteil, wenn man weiss, was man will, und dafür auch einsteht.» Doch alleine könne man als Parlamentarier nicht viel erreichen. Als Landwirt will er vor allem die Interessen seiner Berufskollegen vertreten. «Gerade für uns Landwirte ist es immer sehr wichtig, was in der Politik entschieden wird. Denn diese Entscheide haben oftmals weitreichende Folgen für uns.»

Dass sein älterer Bruder ebenfalls im Parlament sitzt, ist für Künzle nichts Spezielles. Zu Hause werde vielleicht etwas mehr diskutiert als vorher. «Doch die Politik gehört an unseren Mittagstisch, seit ich denken kann. Und nicht erst, seit wir im Parlament sind.»

Das Wohnzimmer des Doppeleinfamilienhauses, das Künzle bewohnt, ist gemütlich eingerichtet. Die Küche ist modern, ein grosser brauner Tisch steht da. Genug Platz für eine Familie? Er lacht. «Irgendwann möchte ich bestimmt eine Familie.» Doch zurzeit habe er zu viel um die Ohren. Er ist gerade an seiner Meisterprüfung, die rund 100seitige Diplomarbeit muss bis Ende April eingereicht werden. Zudem ist Alois Künzle in zahlreichen Vereinen. Und er ist Festwirt des Multfests. Aber auch auf seinem Hof, auf dem auch die Eltern mitarbeiten, gibt es eine Menge zu tun.

Eine neue Herausforderung

Zu tun geben zum Beispiel «seine Hühner». Vor etwa fünf Jahren hat Alois Künzle einen Hühnerstall gebaut. Nach den Richtlinien besonders tierfreundlicher Stallhaltung. 12 000 Bibeli hüpfen auf 825 Quadratmetern herum, fressen oder schlafen. «Diese sind jetzt 16 Tage alt», erklärt der Landwirt und nimmt zwei gelbe Knäuel auf die Arme. «In drei Wochen dann sind sie schlachtreif», fügt er trocken hinzu. Danach wird der Stall ausgemistet, geputzt und desinfiziert.

Zur Arbeit auf dem Bauernhof kommt nun jene im Parlament hinzu. Er freue sich auf die Herausforderung, sagt Künzle. Die erste Sitzung sei spannend gewesen, viel mehr könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Auch nicht, was sich in Gossau dringend ändern muss. «Ich muss mich zuerst in die Dossiers einlesen und mich da etwas <hineinfühlen>». Das wird er in den nächsten Wochen tun. Als Jüngster aller Parlamentarier.