Der humpelnde Mann vom Rosenberg

An der Hompelistrasse ist die Welt noch in Ordnung. Dort oben am Südosthang des Rosenbergs, an der Grenze zu Wittenbach. Gebietsmässig gehört man zwar noch knapp zur Stadt, wirklich städtisch ist es hier aber nicht. Wenn man der Strasse entlangläuft, merkt man das sofort: Es ist ungewohnt ruhig.

Michel Burtscher
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Wirklich städtisch ist es an der Hompelistrasse nicht. (Bild: Michel Burtscher)

Wirklich städtisch ist es an der Hompelistrasse nicht. (Bild: Michel Burtscher)

An der Hompelistrasse ist die Welt noch in Ordnung. Dort oben am Südosthang des Rosenbergs, an der Grenze zu Wittenbach. Gebietsmässig gehört man zwar noch knapp zur Stadt, wirklich städtisch ist es hier aber nicht. Wenn man der Strasse entlangläuft, merkt man das sofort: Es ist ungewohnt ruhig. Kein Baulärm, kein Verkehr und fast keine Menschen. Dafür hohe Bäume, farbige Blumen, zwitschernde Vögel und ab und zu ein Eichhörnchen, das über die Strasse huscht.

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Eingangstore und Hecken schützen die Bewohner der Einfamilienhäuser vor Eindringlingen und unerwünschten Blicken. Die Anwesen werden von Sicherheitsdiensten überwacht. Ja, es ist schön und sicher an dieser Strasse.

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Wie hat es dort früher wohl ausgesehen? Damals, als der unbekannte Mann da gewohnt hat, dem die Strasse ihren Namen zu verdanken hat. Im 18. Jahrhundert war das, vielleicht auch früher. Der Mann muss gehumpelt haben. Wahrscheinlich fiel das den Menschen sofort auf, wenn sie ihm begegneten. Darum wurde er wohl «Hompeli» genannt. Der Begriff kommt von «humpelen», was so viel heisst wie «ein wenig hinken». Dass man einer Strasse den Namen einer Person gibt, ist gang und gäbe. Früher war es auch üblich, Orten oder Dingen den Übernamen ihrer Besitzer zu geben. So wie es wahrscheinlich beim «Hompeli» geschah.

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Zuerst gab es nämlich nur das «Hompeligut». Auf einer Karte von 1903 ist es zu sehen. Die Strasse gibt es noch nicht. Nur ein Haus steht mutterseelenallein in der Gegend. Hat der humpelnde Mann vielleicht einmal dort gewohnt? Man weiss es nicht. Auch 45 Jahre später ist nach wie vor nichts von der Strasse zu sehen, das Haus steht immer noch alleine da. Das Gebiet heisst jetzt «Hompeli». Dann wird das Quartier überbaut, und es kehrt Leben ein. Auf einer Karte von 1964 sieht man das Ergebnis: Überall stehen Häuser – und auch die Hompelistrasse ist jetzt da, um diese mit dem Rest der Stadt zu verbinden.

Die Sommerserie widmet sich der Herkunft spezieller Strassennamen.

Bild: Michel Burtscher

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