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Der Heilige des vereinigten Europa

In neun Ländern sind Freunde des Heiligen Kolumban daran, einen 6000 Kilometer langen Kolumbanweg zu lancieren, analog dem Jakobsweg. Am Samstag trafen sich Initianten in St. Gallen, um den Pilger Simon Derache zu treffen.
Margrith Widmer
Auf den Spuren Kolumbans: Pilger Simone Derache (rechts) und Wolfgang Sieber erklären in der Stiftsbibliothek den Kolumban-Pilgerweg. (Bild: Ralph Ribi)

Auf den Spuren Kolumbans: Pilger Simone Derache (rechts) und Wolfgang Sieber erklären in der Stiftsbibliothek den Kolumban-Pilgerweg. (Bild: Ralph Ribi)

Simon Derache begann am 28. März zu Füssen der Statue des Heiligen Kolumbans in Luxeuil mit seiner Pilgerreise. Er ist unterwegs auf Kolumbans Weg ins Exil, von Luxeuil über Nantes, Koblenz, Mainz, Basel, St. Gallen, Bregenz, Splügen nach Bobbio. Am Samstag traf er in St. Gallen ein. Kolumban starb in Bobbio im Jahr 615. Eine erste Pilgerreise auf Kolumbans Spuren führte Simon Derache 2014 vom nordirischen Bangor, wo Kolumban im Kloster lebte, nach Luxeuil, wo Kolumban eins von vielen Klöstern gründete, und über die Schweiz nach Bobbio. Derache sagt, er habe den Pilgervirus auf dem Jakobsweg erwischt. «Es ist ein guter Virus.» Schon sein Vater sei auf Pilgerreisen gegangen.

Kolumban war nie in St. Gallen. Aber die Stiftsbibliothek besitzt die wertvollsten Aufzeichnungen über den Gefährten von Gallus, wie Stiftsbibliothekar Cornel Dora erklärte. Er und Wolfgang Sieber aus Sargans organisieren den Kolumbanweg in der Schweiz. Sieber ist 2012 anlässlich des Gallusjubiläums selber ein Stück des Kolumbanwegs gepilgert.

Der erste Europäer

Der französische Staatsmann und Gründervater der Europäischen Union, Robert Schuman (1886–1963), sah in Kolumban den «ersten Europäer» und «einen der Väter Europas».

Jacques Prudhon aus Luxeuil, Präsident der Vereinigung Les Amis de St-Colomban (Freunde Kolumbans) von Luxeuil, war ebenfalls nach St. Gallen gekommen: Kolumban habe Europa quasi erfunden. Er habe in einem Brief erstmals den Begriff «Europa» verwendet, sagt Prudhon, der wie ein Historiker spricht – und früher Autoverkäufer war. Sein Engagement für Kolumban sei eine Leidenschaft: «C'est une passion», sagt er.

Auf GPS bis Ende Jahr

Die Amis de St-Colomban wurden im Jahr 2000 zum 1400. Jahrestag des vergessenen Heiligen gegründet. Damals entstand der Plan, einen Kolumbanweg von Bangor über Luxeuil nach Bobbio zu lancieren, so Prudhon. Jedes der neun Länder gestaltet seinen Weg selber: Irland, England, Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Österreich, das Fürstentum Liechtenstein, die Schweiz und Italien. Es sollen auch kulturell interessante Orte am Weg mit einbezogen werden, so in der Schweiz Einsiedeln. Bis Ende 2016 wird die Route auf GPS dargestellt sein.

Es werden Empfangs- und Übernachtungsorte, analog dem Jakobsweg, eingerichtet. Das Ziel des Pilgerwegs ist laut Prudhon eine atypische Pilgerreise für eine Botschaft des Friedens und der Brüderlichkeit unter den Völkern, während eines Umbruchs in der europäischen Geschichte und im Gedenken an die Organisation der europäischen Gesellschaft. Es gehe um eine «globale Vision der Völker Europas». Kolumban sei ein Mann des Wissens und der Kultur gewesen. Er sei an mittelalterlichen Fürstenhöfen respektiert worden, als Prophet, Diplomat und Humanist. Und es gehe um die Relevanz der Schriften Kolumbans in der heutigen Zeit.

Kulturweg des Europarats

Der Kolumbanweg soll als Kulturweg des Europarats registriert werden. Er soll Pilgern eine Begegnung mit diesem vergessenen Erbe, mit Glauben und Spiritualität ermöglichen. «Kolumban ist der heilige Patron all jener, die heute versuchen, ein vereinigtes Europa zu bauen», sagte Robert Schuman 1950 in Luxeuil-les-Bains.

www.amisaintcolomban.org

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