Der hartherzige Ritter

Die Sage vom schwarzen Rappensteiner erzählt von einem Ritter, der in der Burg Rappenstein im heutigen Osten der Stadt St. Gallen lebte. Er war ein böser Mann, der seine Untertanen knechtete. In der Nacht vor Silvester klopfte ein Pilger an seine Türe.

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Die Sage vom schwarzen Rappensteiner erzählt von einem Ritter, der in der Burg Rappenstein im heutigen Osten der Stadt St. Gallen lebte. Er war ein böser Mann, der seine Untertanen knechtete. In der Nacht vor Silvester klopfte ein Pilger an seine Türe. Er hatte sich in einem Schneetreiben verirrt und bat erschöpft um ein Nachtlager. Doch der hartherzige Ritter schickte ihn weg. Daraufhin verfluchte ihn der Pilger. Er rammte seinen Stab in die Erde und rief: «Rappensteiner, hier soll dir ein Zeichen deiner Gastfreundschaft wachsen!»

Bereits am nächsten Abend geschah das Unheil: Bei der Silvesterfeier auf der Rappenstein ärgerte sich der Ritter über seine Gäste, die sich über einen wachsenden schwarzen Baum im Garten wunderten. Er hetzte seine Bluthunde auf sie. Alle wurden so ermordet. Der Gastgeber erschrak über seine Greueltat und wollte fliehen. Doch da zuckte ein Blitz vom Himmel, und der böse Rappensteiner wurde für alle Ewigkeit in einer Felswand im Goldachtobel eingeschlossen. Nur einmal im Jahr – in der Nacht vor Silvester – ist es ihm vergönnt, auf einem feurigen Ross übers Land zu reiten und Unheil anzurichten.

Mit dem Römpeln wollten die Straubenzeller genau das verhindern. Als wilde Männer verkleidet, zogen sie früher lärmend durchs Dorf, um den schwarzen Ritter zu verscheuchen. (lem)