«Der Hang wird weiter rutschen»

GOLDACH. Seit das rutschende Mehrfamilienhaus in Goldach in die Medien geriet, kursieren Gerüchte. Dramatisch sei die Lage, heisst es. Dies verneinen Gemeinde und Liegenschaftsverwaltung; doch der Hang verursacht weiter Schäden am Haus.

Corina Tobler
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Das betroffene Haus liegt über dieser Verbauung, die im Herbst saniert wurde. Sie schützt das Ufer vor Erosion, soll aber nicht den Hang stützen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Das betroffene Haus liegt über dieser Verbauung, die im Herbst saniert wurde. Sie schützt das Ufer vor Erosion, soll aber nicht den Hang stützen. (Bild: Rudolf Hirtl)

GOLDACH. In der dörflichen Gerüchteküche geht's offenbar etwas zu heiss her. Denn dramatisch ist die Situation am Hang unterhalb des Mehrfamilienhauses an der Haini-Rennhasstrasse 31 nicht. Direkt am Fluss hält die im Herbst für 80 000 Franken sanierte Flussverbauung am Ufer unterhalb des Hauses, wie Bauverwalter Ralph Gerschwiler bestätigt. «Die Aufschüttung vor dem alten Holzkasten, die wir mit grossen Steinen versetzten, haben wir nach Beendung der Arbeiten mit der kantonalen Fachstelle für Wasserbau angeschaut. Das Urteil fiel positiv aus. Die neue Verbauung erfüllt ihre Aufgabe, das Ufer vor Abtragung durch das Wasser zu schützen.»

Verbauung nicht fürs Haus

Wie schon im Herbst, als das rutschende Haus Schlagzeilen machte, betont Gerschwiler, die Verbauung könne und solle nicht das Haus abstützen, sondern nur vor Erosion schützen. Von einer dramatischen Veränderung oben am Hang ist der Gemeinde nichts bekannt. «Sollte oben etwas passieren, wäre der Fussweg unter dem Haus entlang der Goldach wohl betroffen – was aufgrund der regen Benutzung sofort gemeldet würde.»

Von einer dramatischen Veränderung spricht auf Anfrage auch die Liegenschaftsverwaltung nicht. Sie vertritt die Stockwerkeigentümer, die seit der Fertigstellung des Hauses im Jahr 2000 in den sieben Eigentumswohnungen zu Hause sind. Entspannt, so die Auskunft, habe sich die Lage aber keinesfalls. Die Botschaft des Geologen, den die Stockwerkeigentümer mit einem Gutachten beauftragt hatten, ist klar: «Der Hang wird weiter rutschen.» Dass er instabil ist, steht ausser Frage. Der Kanton stuft ihn als leicht rutschgefährdet ein und der Hang kommt nach starken Niederschlägen regelmässig im Zentimeterbereich in Bewegung. Aufgrund dieser Rutschungen entstanden etwa 2005 Risse am Haus und die Eckstütze eines Sitzplatzes im Erdgeschoss ragte in die Luft. Diese Mängel behoben die Stockwerkeigentümer, die bisher 120 000 Franken investierten – obwohl sie bis heute die Gemeinde, die für den Unterhalt des Flussufers zuständig ist, in der Pflicht sehen.

Massiver Wertverlust im Haus

Doch während die Stockwerkeigentümer argumentieren, die Ursache fürs Rutschen sei bei der Goldach zu suchen, besonders seit dem Hochwasser 2002, sieht die Gemeinde den Grund für die Instabilität im Hang selbst – und somit in der Verantwortung der Grundeigentümer. Die Frage konnte bis heute nicht geklärt werden. Die Stockwerkeigentümer, deren Wohnungen allenfalls massiv an Wert verloren haben, beschlossen vorerst nicht weiter zu investieren, da sie auch teilweise die Kosten nicht mehr stemmen könnten, heisst es bei der Liegenschaftsverwaltung. Dieser werden laufend neue Schäden in den nördlich liegenden Wohnungen gemeldet – diese durchziehen Risse.

In Zukunft könnte der Beschrieb der Lage als «dramatisch» für die Stockwerkeigentümer also zutreffen. Die kantonale Gebäudeversicherungsanstalt versichert das Haus zwar weiter. Allerdings übernimmt sie nur Schäden, die ein Wetterereignis verursacht. Ein allmähliches Abrutschen des Hauses ist laut Liegenschaftsverwaltung nicht abgedeckt.

Der Kanton stuft den Hang unter dem betroffenen Haus (rot) als gering rutschgefährdet ein, wie die gelbe Einfärbung zeigt. (Bild: Karte: www.geoportal.ch)

Der Kanton stuft den Hang unter dem betroffenen Haus (rot) als gering rutschgefährdet ein, wie die gelbe Einfärbung zeigt. (Bild: Karte: www.geoportal.ch)