Der Häggenschwil-Kenner

Edwin Germann heitert im «Häggenschwil aktuell» die Bevölkerung auf. Darin werden Auszüge aus alten Gemeinderatsprotokollen publiziert. Fasziniert von der Geschichte, ist Germann zudem Gründer zweier Museen.

Fejsal Sulejmani
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HÄGGENSCHWIL. Seit kurzem sind im Häggenschwiler Mitteilungsblatt Publikationen aus früheren Jahren zu lesen. Originalgetreu werden sie aus den Protokollen übernommen, einzig die Personennamen werden aus Diskretionsgründen geändert. Zum Beispiel ein Rüffel von der Bezirksverwaltung, weil Arrestlokale fehlen.

Die grosse Leidenschaft

Die Texte werden vom 83jährigen Edwin Germann zusammengestellt. Denn der Häggenschwiler arbeitet bereits seit 40 Jahren die Geschichte des Dorfes auf. Germann machte in seinen jungen Jahren eine Ausbildung zum Autoelektriker. Er bildete sich weiter und führte die Elektrowerkstatt einer Grossgarage. Nach 17 Jahren sattelte er um. Er arbeitete 19 Jahre beim kantonalen Amt für Zivilschutz und war für Technik in Grossanlagen und Sireneneinrichtungen zuständig. Doch die Leidenschaft für Geschichte und alte Dokumente und Schriften war immer präsent. Es ist ein Hobby, welchem er auch mit seinen 83 Jahren nachgeht. Um ältere Schriften lesen und übersetzen zu können, machte Germann viele Kurse. Interesse hat der Häggenschwiler auch an der Erstellung von Stammbäumen. Er war im Verein für Ahnenforschung und erstellte eine etwa fünf Meter lange Ahnentafel.

Bilder zeigen Unterschiede

Für seine Forschung darf Germann mit einer Sonderbewilligung die Archivdokumente der Gemeinde besichtigen. Nebenbei besucht er Flohmärkte, Auktionen und Börsen, wo er nach weiteren historischen Dokumenten sucht. «Ich habe rund 650 originale Postkarten und alte Fotos der Gemeinde Häggenschwil. Diese werden im Gemeindearchiv aufbewahrt. Auf ihnen ist zu sehen, wie man früher lebte und wie die Arbeit damals aussah», erklärt Germann. Beispielsweise sieht man, wie vor 100 Jahren rund zehn Personen auf dem Feld arbeiten, heute ist es ein einziger Arbeiter mit der entsprechenden Maschine. Aus verschiedenen alten Fotos, Karten und Programmheften werden Erinnerungen wach, wie damals Feste gefeiert wurden. Einen Einfluss auf das Leben von Edwin Germann hatte ein fast 100 Jahre altes Tagebuch von Kunstmaler Gottfried Rüdisser, der wie Germann in Häggenschwil aufwuchs. Seit 30 Jahren führt Germann inspiriert davon sein eigenes Tagebuch. Im Jahr 1997 gründete Germann das Ortsmuseum Häggenschwil im benachbarten Lömmenschwil. «Auf 280 Quadratmetern gibt es etwa 3500 Gegenstände zu besichtigen», sagt Germann. 2005 gründete er mit Hilfe der Gemeinde, knapp 500 Sponsoren und freiwilligen Mitarbeitern das regionale Landwirtschaftsmuseum Ruggisberg. Am Museum sind insgesamt acht Gemeinden beteiligt. «Viele Sponsoren habe ich persönlich besucht», betont Germann. Nicht alle Häggenschwiler verstehen Germanns Begeisterung: «Ein wohlhabender Bürger fragte mich einmal, ob ich mit dem Lohn für meine Arbeit zufrieden sei. Ich antwortete ihm: eigentlich schon, ich verlange aber nichts. Der Mann schaute mich nur dumm an.»

Freiwillige Arbeitsleistung

Auszüge aus alten Gemeinderatsprotokollen im «Häggenschwil aktuell» würden Lücken im Blatt füllen und die Bevölkerung finde diese Beiträge interessant, erklärt Germann. «Der Gemeindepräsident kam mit dieser Idee auf mich zu. Und ich war schnell einverstanden», sagt Germann. Der Häggenschwiler will seiner Begeisterung für die Geschichte weiter nachgehen und diese zum Wohl der Gemeinde erarbeiten. Ausserdem schreibt Germann derzeit eine Dokumentation über das Ortsmuseum. Über das regionale Landwirtschaftsmuseum hat er bereits eine auf 360 Seiten verfasst. Eine weitere Freizeitbeschäftigung findet er bei der Gartenarbeit und dem Pflegen der Naturwiese.