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Der «Gallenmist» lebt

ST.GALLEN. 1967 wurden die Kehrichtablagerungen in der Waldau eingestellt. Eine Spezialkarte des Kantons zeigt nun die Ausdehnung der ehemaligen Deponie – die vielleicht auch grösser war.
Peter Brühwiler

Man sieht ihn nicht und man riecht ihn nicht. Aber davon, dass der «Gallenmist» auch heute noch aktiv ist, können die Betreiber des Werkhofs in der Waldau ein Liedchen singen: Der Boden rund um die auf Pfählen stehenden Gebäude sinkt ab und das Gas, das im Untergrund als Folge des Kehricht-Zersetzungsprozesses entsteht, muss abgesaugt werden. Ein Lied über den «Gallemist» hat in den 1950er-Jahren auch der Kabarettist und Liedermacher Johann Linder gesungen. Darin erinnerte er sich an seine Kindheit, «..und denn chunnts mer voor, als öbs geschter gsii sei,/ dass mir Buebe im Gallemischt unde/ wie verwegeni Schatzgräber im ene Karl May/ hend die hend die herrlichschte Sächeli gfunde…».

1,8 Millionen Tonnen Kehricht

Einige Zeitgenossen konnten der Kehrichtdeponie also auch Positives abgewinnen. Trotzdem muss die Erleichterung im Lachen-Quartier gross gewesen sein, als am 1. Juli 1967 mit dem «Gallemescht-Fest» die Schliessung der Deponie gefeiert wurde.

Eine Fläche von 123 267 Quadratmetern war bis dahin durch die Aufschüttung «erschlossen» worden. Etwa 1,8 Millionen Tonnen Kehricht hatten die Stadt St. Gallen und bis zur Stadtverschmelzung im Jahr 1918 die Gemeinde Straubenzell dort entsorgt.

Inbetriebnahme im Jahr 1903

Dokumentiert ist die Entwicklung der grössten ehemaligen Kehrichtdeponie des Kantons nur spärlich.

Laut einem Zeitungsartikel, der anlässlich des «Gallemescht-Festes» erschien, wurde die Deponie in der Waldau im Jahr 1903 in Betrieb genommen. «Zur Erweiterung des Areals sah sich die Politische Gemeinde in den Jahren 1907 bis 1949 wiederholt gezwungen, neues Land zu erwerben», heisst es weiter.

Wahrscheinlich war die Ausdehnung der Deponie grösser als die auf dem vom Kanton kürzlich präsentierten «Kataster der belasteten Standorte» markierte Fläche (Bild oben).

Ausserhalb dieser Fläche – beispielsweise im Bereich der Waldaustrasse – sei wohl bloss Bauschutt deponiert worden, vermutet Erich Brauchli von der städtischen Entsorgung.

13 000 Kubikmeter entsorgt

Laut Heinrich Adler vom Kantonalen Amt für Umwelt müssten aber auch solche Gebiete im Kataster aufgeführt sein. «Falls wir neue Informationen erhalten, könnte die Fläche noch angepasst werden», sagt er. Klar sei, dass das «Epizentrum» im Bereich des Werkhofs liege.

Vor dem Bau der Anlage in den 90er-Jahren wurden dort denn auch 25 000 Kubikmeter Aushub überprüft und 13 000 davon kostenpflichtig entsorgt.

Laut Kataster besteht auf dem belasteten Gebiet in der Waldau «Untersuchungsbedarf». Ein spezielles Projekt stehe derzeit nicht an, sagt Hans Peter Tobler von der städtischen Entsorgung. «Das Gebiet wird aber ständig überwacht», erklärt er.

So werde das Sickerwasser gesammelt, der Abwasserreinigungsanlage zugeführt und von Zeit zu Zeit analysiert. Ausserdem werde der Hang oberhalb der Sitter, wo es zu Rutschungen kommen könnte, beobachtet und die belastete Fläche jährlich mit Sensoren abgetastet.

Das Ende der Kehrichtdeponien

Ermöglicht wurde die Schliessung der Kehrichtdeponie im Jahr 1967 durch die gleichzeitige Eröffnung der weiter nördlich auf dem Gemeindegebiet Gaiserwald gelegenen Deponie Tüfentobel.

Erst die Inbetriebnahme der Kehrichtverbrennungsanlage im Sittertobel markierte fünf Jahre später dann das endgültige Ende der Kehrichtdeponien in St. Gallen und der näheren Umgebung.

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