Der Freihof wird abgebrochen

Die Mörschwiler haben sich an der Bürgerversammlung für einen Neubau und somit für den Abbruch des Freihofs entschieden. Damit ist eine jahrelange Diskussion über die Zukunft des historischen Gebäudes im Dorfzentrum beendet.

Nina Rudnicki
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Das Schicksal des Freihofs ist nun gewiss. 261 Mörschwiler stimmten für den Abbruch. (Bild: Urs Jaudas)

Das Schicksal des Freihofs ist nun gewiss. 261 Mörschwiler stimmten für den Abbruch. (Bild: Urs Jaudas)

MÖRSCHWIL. Schon bevor die Bürgerversammlung überhaupt angefangen hatte, gab es am Montagabend bei den Mörschwilern nur ein Thema: die Zukunft des Freihofs. «Hauptsache, wir finden endlich einen Entscheid», sagte eine ältere Dame in einer Gruppe Menschen vor der Turnhalle Mörschwil. Eine andere witzelte: «Wenn ich falsch abstimme, hängt der Haussegen schief.» Den Freihof abbrechen und durch einen Neubau ersetzen oder renovieren? Damit, wie es mit dem Freihof weitergehen soll, beschäftigen sich die Mörschwiler seit Jahren. Das Thema polarisiert und weckt seit jeher Emotionen. Der «Grossaufmarsch» in der Turnhalle Seeblick – wie es Gemeindepräsident Paul Bühler ausdrückte – war daher zu erwarten. 448 Stimmbürger waren gekommen.

Erinnerungen an früher

Gut eine Stunde später stand fest: 261 Mörschwiler sind für einen Neubau. Nur 176 haben für eine Renovation des Gebäudes gestimmt. Den Freihof wird es also schon bald nicht mehr geben. Auch wenn mit diesem Resultat zu rechnen war, da die Mörschwiler bereits 2007 für einen Abbruch gestimmt hatten, überraschte es trotzdem. Denn nicht wenige Mörschwiler sprachen sich an der Bürgerversammlung mit eindringlichen Wortmeldungen für den Erhalt des Gebäudes aus. Der Freihof sei für viele Generationen ein Ort der Lebensfreude gewesen und habe Platz für Volkstheater, Tanz, Blasmusikkonzerte und eine Gastwirtschaft geboten, lautete eines der Argumente. Diese positiven Erinnerungen würden nebst der verkehrstechnischen Situation und dem historischen Dorfkern für den Erhalt des Freihofs sprechen.

«Ein Abbruch bedeutet ein weiteres untergegangenes Haus», sagte etwa der Mörschwiler Architekt Beno Bissegger. «Wie können wir so mit der Geschichte umgehen?» Den historischen Dorfkern gelte es als Ensemble zu schützen, das der Freihof zusammen mit dem Adler und dem Ochsen sowie der Kirche und dem Gemeindehaus bilde, so eine weitere Wortmeldung. Aber nicht einmal das Argument, dass in einem renovierten Freihof kleine und günstige Wohnungen für junge Mörschwiler geschaffen werden könnten, überzeugte die Stimmbürger.

Breite Strasse und zwei Trottoirs

Die Mörschwiler haben sich anders entschieden. Das Dorfzentrum soll einen Neubau, eine verbreiterte Strasse plus zwei Trottoirs bekommen. «Das ist ein eindeutig grösseres Mehr», sagte Gemeindepräsident Bühler, als er bei der Frage, ob die Strassenbreite so zu belassen oder zu vergrössern sei, die in die Luft gestreckten Hände zählte. «Und das ist jetzt ein absolut grösseres Mehr», sagte er nach der Frage, ob man ein oder zwei Trottoirs im Dorfzentrum haben wolle.

Nachdem der Grundsatzentscheid über die Weiterverwendung der Liegenschaft Freihof gefällt war, genehmigten die Stimmbürger diskussionslos den entsprechenden Wettbewerbskredit von 150 000 Franken. Genau wie zu Beginn der Versammlung die Jahresrechnung 2012, die Voranschläge 2013 und die Senkung des Steuerfusses um zwei auf 90 Prozent.

«Jetzt haben wir endlich einen Auftrag, den wir weiter bearbeiten können», sagt Bühler sichtlich zufrieden. Hatte er doch an der Vorversammlung die Befürchtung geäussert, dass sich Befürworter der Renovation und Befürworter des Neubaus in der Grundsatzabstimmung gegenseitig blockieren könnten.

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