Der Freiheit entgegenrollen

Alexander Bratz und Uwe Retting erfüllen jedermann den Traum vom Harleyfahren. In der Ostschweiz bieten sie geführte Touren mit gemieteten Motorrädern an. Dabei sollen Spass und Gemütlichkeit im Vordergrund stehen.

Beat Schönenberger
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GOLDACH. Schwarzer Asphalt, blauer Himmel: Die Motorradsaison hat begonnen. Wer dabei gemütlich die Landschaft geniessen will, anstatt eine Busse zu riskieren, fährt häufig eine Harley-Davidson. Um dies zu erleben, braucht man kein eigenes Motorrad. Der Goldacher Alexander Bratz (35) und sein Geschäftspartner Uwe Retting (29) aus Arbon bieten Harley-Touren an. Seit Jahren fahren sie leidenschaftlich Motorrad, bis vor einem Jahr aber auf Rennmaschinen. Dann habe es «Klick» gemacht, sagt Bratz. Die unbequemen Streetbikes seien ihnen zu langweilig geworden. Nach einer Probefahrt hätten sie sich begeistert ihre erste Harley-Davidson gekauft. Auf ein anderes Modell wolle keiner mehr zurück.

Den Mythos selbst erleben

Harleys faszinieren. Dabei hilft auch der Mythos, den die schweren, amerikanischen Maschinen spätestens seit dem Film «Easy Rider» umgibt. Auf der Harley fahre man in die Freiheit, mit einer Rennmaschine rase man daran vorbei, meint Uwe Retting. Auf diesem Motorrad sei für ihn schon der Weg das Ziel. Dies sei auch der Grund, weshalb die beiden Harley-Touren anbieten würden. Die Rede ist vom Gemeinschaftsgefühl, vom Lebensmotto, vom Sound der Maschine. Für Retting und Bratz besonders wichtig ist aber die Landschaft. Sie kennen die schönsten Touren in der Region. Sei es in den Voralpen, am Bodensee oder in Vorarlberg. Die Gegend sei phantastisch, schwärmt Alexander Bratz: «Es gibt gleich mehrere Klimazonen zu erleben.» Die beiden Deutschen kennen sich seit fast drei Jahren. Zuerst hat jeder selbst Freunde oder Bekannte mit auf Touren genommen. Vergangenen Winter entschieden sie, ihr Hobby zum Beruf zu machen, als Anbieter von Harley-Touren. Dabei wird auf Professionalität gesetzt. Mit Moto Weder in Au wurde ein Exklusiv-Partner gefunden, bei dem die Teilnehmer aus den verschiedensten Modellen ein Motorrad auswählen können. Die Tourguides organisieren den Rest, auch die Ausrüstung ist mit dabei. Nur muss man einen Führerschein besitzen, wenn man nicht auf dem Sozius Platz nehmen will. Bratz und Retting sind keine harten Rockertypen. Die Freude am Harleyfahren könne jeden ergreifen, sagen sie. Dank des All-inclusive-Angebotes können sich viele Leute den Traum vom Harleyfahren erfüllen, für die dies aus finanziellen Gründen bisher nicht möglich war.

Harleyfahren entspannt

Entsprechend breit sei der Kundenkreis: Die Harley, häufig als ein Spielzeug für Männer ab 50 verschrien, würde zum Beispiel auch viele Frauen interessieren. Wichtig sei die Lockerheit, das Cruisen. Ein paar Stunden auf dem Motorrad wirkten entspannend, sind die beiden überzeugt. In kleinen Gruppen werden leichte bis mittelschwere Strecken gefahren. Samt Pausen dauert eine Tour sieben bis acht Stunden. Dabei werden circa 250 Kilometer zurückgelegt. Der Spass steht im Vordergrund.

Bereits erste Erfolge verzeichnet

Das Geschäftsmodell scheint erfolgversprechend zu sein. Die Goldacher iHarleyTours GmbH ist seit Februar im Handelsregister eingetragen, die Homepage seit vier Wochen online und jeden Tag kommen Anfragen ins Haus. Bereits konnte mit dem Event-Reiseveranstalter Jochen Schweizer ein Vertrag abgeschlossen werden. Man sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort, freuen sich die Biker. In welche Richtung sich ihr Unternehmen entwickle, werde die Zukunft zeigen. Die zwei fahren ihr auf Harleys entgegen.