Der Euro-Versuchung widerstehen

Das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen stellte gestern sein Jahresprogramm vor. Die Ausstellungen sind vielfältig – und haben ihren Preis. Dafür Sponsoren zu finden ist nicht einfach. Und jetzt lockt auch noch der tiefe Euro.

Elisabeth Reisp
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Das Historische und Völkerkundemuseum zeigt in diesem Jahr vier grosse Ausstellungen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Historische und Völkerkundemuseum zeigt in diesem Jahr vier grosse Ausstellungen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das vergangene Jahr war das erste nach der umfassenden Sanierung des Historischen und Völkerkundemuseums. Gemäss Direktor Daniel Studer war es ein äusserst erfolgreiches Jahr. Mit 30 000 Eintritten liegt 2014 deutlich über den Jahren 2011 und 2012. «Die Sanierung hat uns in eine andere Liga katapultiert.» Dieses Niveau will das Museum beibehalten.

Mühsame Sponsorensuche

Vier Ausstellungen eröffnet das Historische und Völkerkundemuseum dieses Jahr (siehe Zweittext). Einige sind aufwendiger, andere weniger. Alle aber haben ihren Preis. Geld dafür zu bekommen, bereitet Studer mehr Sorgen als auch schon. «Das städtische Sparprogramm Fit13plus lässt keine höheren Subventionen der öffentlichen Hand zu», sagt er. In zeitintensiver Kleinarbeit gelte es Sponsorengelder zu sammeln. «In der Regel sind dies Beträge im tiefen vierstelligen Bereich. Eine Ausstellung kostet aber Zehntausende Franken.» Die Tina-Modotti-Ausstellung etwa schlug mit 30 000 Franken zu Buche. Auf einen Ausstellungskatalog wurde aus Kostengründen verzichtet.

300 000 Franken für Indianer

Für die teuerste Ausstellung in diesem Jahr wirft das Museum 300 000 Franken auf. Es handelt sich um die «Indianer und Inuit»-Ausstellung. Sie soll während zehn bis 15 Jahren gezeigt werden. Dazu werden unter anderem teure Vitrinen benötigt. «Wir haben eine interne Schreinerei. Was möglich ist, machen wir im Haus», sagt Studer. Die kleine Schreinerei stosse aber an technische Grenzen. «Vitrinen können wir wegen des Glases nicht selber herstellen.» Solche Aufträge vergibt das Museum daher extern.

Studer hat jedoch den Eindruck, dass Handwerker bei (vermeintlich) öffentlichen Institutionen nicht selten grosszügiger rechnen. Mittlerweile lässt er doppelt offerieren. «Für den letzten Auftrag haben wir tatsächlich zwei Offerten, deren Preisangaben markant voneinander abweichen.»

Wenig Budget, hohe Ansprüche

Mit der Aufhebung des Mindestkurses hat der Euro gegenüber dem Franken an Wert verloren. Im Ausland einzukaufen oder herstellen zu lassen, ist über Nacht deutlich günstiger geworden. «Ich habe mich beim Gedanken ertappt, was eine Vitrine nun in Deutschland oder Österreich kosten würde.» Die Verlockung sei gross. Er sei dem Stiftungsrat verpflichtet, der ein genaues Auge auf alle Ausgaben habe. Aber genauso spüre er auch die Verpflichtung gegenüber den Besuchern, hochwertige Ausstellungen anzubieten.

Grundsätzlich sei er aber der Ansicht, dass eine Institution wie das Museum die Aufträge in der Region vergeben sollte. «Alles andere würde zu Recht zu Kopfschütteln oder Ärger führen.»

Einmal in Deutschland bestellt

Das Experiment mit dem grenznahen Ausland habe er nur einmal gemacht. Vor ein paar Jahren liess er einen Ausstellungskatalog in Deutschland drucken. «Unter dem Strich war es den anschliessenden Ärger nicht wert», sagt Studer. Die Ware sei nicht in gewünschter Qualität geliefert und Termine seien nicht eingehalten worden – es sei ein richtiges «Hin und Her» gewesen. Seither vergebe er Druckaufträge in der Region.

Direktor Daniel Studer mit einem Teil des Museumsteams: Monika Mähr, Peter Müller, Nicole Stephan, Achim Schäfer und Isabella Studer (von links). (Bild: Urs Bucher)

Direktor Daniel Studer mit einem Teil des Museumsteams: Monika Mähr, Peter Müller, Nicole Stephan, Achim Schäfer und Isabella Studer (von links). (Bild: Urs Bucher)