«Der Entscheid gegen das Tram ist kein Weltuntergang»

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Text: Katharina Schatton, Leonardo Da Riz
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Als Knirpse sind wir immer mit dem Tram gefahren. Ob es jetzt noch Sinn machen würde oder sehr wichtig ist, weiss ich aber auch nicht so genau. Es ist sicher kein Muss für den St. Galler Verkehr, es geht ja auch ohne. Auch wäre der Bau des Tramnetzes sehr teuer für die Stadt geworden. Ich hätte es trotzdem schön gefunden und wäre sicherlich mit dem Tram gefahren.

Von dieser Planung höre ich jetzt zum ersten Mal. Ich wüsste nicht, wofür es hier in St. Gallen noch Trams braucht, die Buslinien sind meiner Meinung nach genügend ausgebaut. Allgemein bin ich zufrieden mit dem ÖV hier. Auch wenn ich später den Führerschein machen werde, werde ich weiterhin die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, das finde ich einfach ökologischer.

Ich denke nicht, dass eine Stadt wie St. Gallen ein Tram braucht. Es wäre zu unflexibel und bräuchte zu viel Platz auf der Strasse. Ausserdem ist es dafür schlicht zu spät. Ein Tramprojekt hätte man viel früher in die Stadtplanung integrieren müssen. Vielleicht würden aber andere, ausgefallenere Ideen und Alternativen mitunter gute Lösungsansätze für den ÖV bieten.

Warum nicht auch St. Gallen ein Tram? In anderen grossen Städten gibt es doch schon längst Trams. In Basel oder Zürich zum Beispiel. Womöglich würden mit Tramlinien sogar die Busse entlastet werden. Ich persönlich bin viel lieber mit dem Tram unterwegs, als im Bus zu sitzen. Es ist einfach ein viel schöneres Fahrgefühl. Sie rütteln nicht so sehr und sind leiser.

Aus meiner Sicht wäre das Projekt eines Trams in der Stadt mit zu viel Aufwand verbunden gewesen. Ausserdem haben wir ja ein mehr oder weniger einwandfreies Busnetz. Stauproblematiken entstehen erst durch den Individualverkehr, zum Beispiel am Feierabend. Vielleicht liesse sich so etwas beheben, indem man den Bussen mehr Platz auf der Strasse einräumt.

Stadtverkehr Wie in den Städten Bern, Basel und Zürich hätte dereinst auch in St. Gallen ein Tram verkehren sollen. Jedoch haben Stadt und Kanton die Planungen für ein Tramnetz auf Eis gelegt (Ausgabe vom 26. September). Dem Entscheid seien monatelange Überprüfungen vorangegangen, teilen die Verantwortlichen von Stadt und Kanton mit. Die Pläne sahen eine Strecke zwischen Stocken und Heiligkreuz vor. Das «Tagblatt» hat in der Bevölkerung nachgefragt, wie der Entscheid aufgefasst wird. Die Reaktionen sind unterschiedlich, aber: Die meisten sehen der Zukunft positiv entgegen – auch ohne Tram.

Text: Katharina Schatton, Leonardo Da Riz

Bilder: Leonardo Da Riz

Ein Tram bräuchte es schon in einer Stadt wie St. Gallen. Vor allem für ältere Leute sind sie besser geeignet als die Busse, die wir aktuell haben. Dass es zu teuer ist, glaube ich persönlich nicht. Das sind nur Ausreden. Ein Tramnetz würde den öffentlichen Verkehr massiv aufwerten. Natürlich ist dieser Entscheid von Stadt und Kanton gegen ein Tram aber kein Weltuntergang.

Mit unseren zwei Hügeln sind wir nicht unbedingt die geeignetste Tramstadt. Wichtig ist doch, dass der öffentliche Verkehr in St. Gallen allgemein ausgebaut wird. Den aktuellen Entscheid des Stadtrates finde ich persönlich überhaupt nicht schlimm. So wie es bisher war, funktioniert es auch gut. Ausserdem ist St. Gallen ja nicht riesig, man ist auch zu Fuss gut unterwegs.

Mir wäre es eigentlich lieber gewesen, wenn der Entscheid anders ausgefallen wäre. Ich hätte das begrüsst, denn ich finde, dass ein Tram auch in die Stadt St. Gallen gepasst hätte. Zürich und Basel haben auch Trams. Wieso sollten wir denn keines haben? Vor vielen Jahren sind ja auch hier in St. Gallen Trams gefahren. Ich finde, das sollte es wieder geben, es wäre sehr schön.

Grundsätzlich denke ich, dass wir hier auch ohne Tram auskommen. Wenn es aber eine ökologischere Variante darstellt, wäre es sinnvoll, noch einmal darüber zu diskutieren. Ein Tram kann sich schliesslich auf der Strasse auch schneller bewegen als beispielsweise ein Bus. Es von vornherein mit dem Kostenargument abzutun, ist meiner Meinung nach der falsche Weg.

Hubert Ammann, 48

Sozialarbeiter, St. Gallen

Yussuf Anter, 26

Coiffeur, St. Gallen

Maria Wetter, 82

Pensionärin, St. Gallen

Monika Ludwig, 46

Logopädin, St. Gallen

Luca Högger, 17

Informatiklehrling, St. Gallen

Irene Lang, 73

Pensionärin, Berg SG

Lena Leuthold, 29

Ärztin, St. Gallen

Stefan Haener, 48

Religionslehrer, St. Gallen

Aldo Leanza, 59

Hausmann, St. Gallen