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Der emanzipierte Mann

Flexiblere Arbeitszeiten oder Job-Sharing-Modelle für Männer – das wünscht sich Cornel Rimle mit seinem Projekt «Vätergeschichten» zu erreichen. Er setzt sich für die Gleichberechtigung von Männern ein.
Sandra Grünenfelder
Kämpft für Gleichberechtigung: Cornel Rimle in seiner Praxis, wo er auch eine Männergruppe leitet. (Bild: Benjamin Manser)

Kämpft für Gleichberechtigung: Cornel Rimle in seiner Praxis, wo er auch eine Männergruppe leitet. (Bild: Benjamin Manser)

HÄGGENSCHWIL. Genüsslich nippt Cornel Rimle an seinem Kaffee in einem Restaurant in St. Gallen. Der gebürtige Häggenschwiler kommt gerade vom Marktplatz. Dort hat er als Präsident von Famos, das ist ein Zusammenschluss von Fachstellen für Familien in der Ostschweiz, neben dem Vadiandenkmal zwei Stunden lang Geschichten über das Vatersein gesammelt. Auf das Thema angesprochen, verschwindet die Gelassenheit aus seinem Gesichtsausdruck. Er wird ernst und beginnt enthusiastisch zu erzählen. Anlässlich des sechsten Schweizer Vätertags (siehe Kasten) hat der 49-Jährige das Projekt «Vätergeschichten» ins Leben gerufen. An neun Stationen haben er und Mark Riklin, Initiant der Meldestelle für Glücksmomente, von Passanten biographische Erinnerungen an das Vatersein gesammelt. 80 Geschichten seien so entstanden. Das Projekt soll helfen, das Bild des Vaterseins in einen anderen Blickwinkel zu rücken: weg von der blossen Ernährerrolle, hin zur Wertschätzung emotionaler Väterlichkeit.

Zu wenig Wertschätzung

«In der Schweiz herrschte lange Zeit ein sanftes Patriarchat», sagt Rimle. Die Männer hätten zwar auf die Emanzipationswünsche der Frauen reagiert, sich aber nie überlegt, was sie selbst wollen. Gleichstellung habe aber nur dann eine Chance, wenn beide Seiten erst ihre Bedürfnisse reflektieren und dann den Dialog suchen. Doch was bedeutet Gleichstellung aus männlicher Sicht? Laut Rimle müssen Männer den Mythos verdrängen, dass sie die alleinigen Ernährer sind. Männer hätten viele Qualitäten. Eine davon sei das Vatersein, und das bekomme zu wenig Wertschätzung. Auf dem Karriereweg sei diese oft grösser.

Der gebürtige Häggenschwiler ist selbst Vater von vier Kindern. «Die Familie steht für mich im Vordergrund», sagt er. Der gelernte Bauer und Agronom hat den Landwirtschaftsbetrieb seines Vaters übernommen. Trotz der Bewirtschaftung des Biohofes habe Rimle stets versucht, ein Familienmensch zu sein. «Dadurch, dass wir auf dem Hof wohnten, habe ich glücklicherweise viel Zeit mit meinen Kindern verbringen dürfen.» Allerdings sei die Vereinbarung von Familie und Beruf immer für beide Ehepartner eine Herausforderung. «Dieser Herausforderung hat unsere Ehe nach 23 Jahren jedoch nicht mehr standgehalten», gibt er zu. Unter anderem hat ihn die eigene Trennungsgeschichte motiviert, sich zum Supervisor und Coach fortzubilden. Mittlerweile arbeitet er Teilzeit als Einzel-, Paar- und Generationenberater und leitet Männergesprächsgruppen.

Flexible Arbeitszeitmodelle

Die Idee des Projekts «Vätergeschichten» stammt von Mark Riklin. Die gesammelten Geschichten sollen beispielsweise auf Tischdecken oder Untersetzer gedruckt und in Firmen verteilt werden, die das Thema Väterlichkeit in ihrem Betrieb aufgreifen. «Ein Ziel ist, flexiblere Arbeitszeiten für Männer einzuführen», sagt Rimle. «Oder noch besser: ein Mann mit einem 70 Prozent Pensum in der Geschäftsleitung – Das wäre ein Vorbild.» Der Vätertag soll aber nicht wie der Muttertag, für kommerzielle Absichten missbraucht werden. Der Zweck sei vielmehr, dass sich Väter bewusst Zeit für ihre Kinder nehmen und sich mit ihnen beschäftigen. «Bis anhin war es nicht üblich, auch Männern für das emotionale Vatersein zu danken.»

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