Der dritte Schmied Zwissler

In der Schmiede am Lindenplatz ist seit zehn Jahren Daniel Zwissler der Chef und Vater Hans noch Mitarbeiter. Dank klarer Rollen gelang der Generationenwechsel hier problemlos – wie zuvor auch von Adolf zu Hans Zwissler.

Fritz Bichsel
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Vater Hans und Sohn Daniel Zwissler im älteren, seit Jahrzehnten fast unveränderten Teil der Schmiede am Lindenplatz mitten in der Stadt. (Bild: Fritz Bichsel)

Vater Hans und Sohn Daniel Zwissler im älteren, seit Jahrzehnten fast unveränderten Teil der Schmiede am Lindenplatz mitten in der Stadt. (Bild: Fritz Bichsel)

RORSCHACH. Jetzt treffen sich wieder jeden Abend Menschen vor der Schmiede Zwissler zum Adventsanlass auf dem Lindenplatz. Früher waren Leute in dieser Liegenschaft zusammengekommen, im Restaurant zur Schmiede. Der älteste Teil des Hauses an der Kirchstrasse steht seit gut 200 Jahren. Die Schmiede in Anbauten gegen den Lindenplatz kam später, bestand aber bereits, als Adolf Zwissler aus Arbon 1946 mit dem Kauf des Betriebs Bischof die Familientradition begründete.

Freie Hand für den Sohn

Er habe bereits als Schüler Schmied werden wollen wie sein Vater und Grossvater, berichtet der heutige Inhaber Daniel Zwissler. In einem ebenso vielseitigen Betrieb im Thurgau mit Arbeiten vom Beschlagen von Pferdehufen über Schmiedearbeiten an Fahrzeugen bis zu Metallkonstruktionen auf dem Bau lernte er Hufschmied und Fahrzeugschmied (heute Fahrzeugschlosser und Metallbauer Richtung Schmied). Nach Tätigkeit bei Betrieben bis ins Schaffhausische konnte er 35jährig die Familienschmiede in Rorschach übernehmen. Vater Hans wechselte mit 62 vom Chef zum Mitarbeiter – jetzt noch in Teilzeit für zeitaufwendige Arbeit.

«Ja, er liess mich von Anfang an machen», antwortet Sohn Daniel auf die Frage, ob der Vater loslassen konnte. «Das machte bereits mein Vater so, als er mir den Betrieb 1976 übergab», berichtet Hans Zwissler. Auch er war bei anderen Schmieden tätig, bis in die Westschweiz, bevor er in Vaters Fussstapfen trat.

Die Schmiede ist ausgebaut. Im älteren Teil aber sieht es noch ähnlich aus wie vor Jahrzehnten. Schmieden blieb Handwerk mit Feuer, Hammer und Amboss. Bei Ablauf und Angebot hat sich jedoch viel geändert.

Altes Handwerk, neue Aufgaben

Es kommen nicht mehr Landwirte mit Arbeitspferden zum Schmied, sondern Daniel Zwissler geht als Hufschmied mit einem als Werkstatt ausgerüsteten Fahrzeug zu Freizeitreitern. Darauf entfallen noch etwa 15 Prozent des Geschäfts. Weitere Zweige sind Fahrzeugbau von speziellen Federungen und Anhängevorrichtungen bis zu ganzen Anhängern, Stahlbau für Gebäude, Metallkonstruktionen, Kunstschmiedearbeiten oder das Bearbeiten von Werkstücken. Die Schmiede Zwissler mit dem Inhaber, einem Mitarbeiter, einem Lehrling und dem noch mitarbeitenden Vater hat Private, Metallbaubetriebe, Garagen und Baugeschäfte als Kunden. Tätig ist sie hauptsächlich bis nach St. Margrethen und nördlich von St. Gallen.

Gelegentlich schmiedet Daniel Zwissler auch viel weiter weg: Bis nach Amerika und Südafrika beteiligt er sich erfolgreich an Berufsmeisterschaften.

Mit Leidenschaft Schmiede

Die Schmiede blieb als einer von wenigen Handwerksbetrieben mitten in der Stadt. Das führe zu keinen Problemen, auch nicht mit Nachbarn, freuen sich Daniel und Hans Zwissler. Übereinstimmend sagen sie auch, sie hätten noch nie, keinen Moment lang bereut, dass sie diesen Beruf lernten und das väterliche Geschäft übernahmen. Sie schätzen die Vielseitigkeit – und beim Gang durch den Betrieb spürt man ihre Freude und berechtigten Stolz an Schmiedearbeiten von Kunst bis zu Stahlträgern.

Bild: FRITZ BICHSEL

Bild: FRITZ BICHSEL

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