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Der Charme des Behelfsmässigen

Die Verkehrsbetriebe St. Gallen haben in der Stadt vermutlich die grösste Erfahrung mit Provisorien. Seit ihr Pavillon auf dem Bahnhofplatz den Baumaschinen weichen musste, sitzen ihre Schalterangestellten in einem Kabäuschen im Schutz des Rathauses. Aber auch die Lehrer und Schüler des St.
Beda Hanimann

Die Verkehrsbetriebe St. Gallen haben in der Stadt vermutlich die grösste Erfahrung mit Provisorien. Seit ihr Pavillon auf dem Bahnhofplatz den Baumaschinen weichen musste, sitzen ihre Schalterangestellten in einem Kabäuschen im Schutz des Rathauses. Aber auch die Lehrer und Schüler des St. Leonhard-Schulhauses wissen, wie Alltag im Provisorium geht. Die Bank Acrevis hat vor wenigen Wochen die Baracken mit den provisorischen Schaltern vom Marktplatz geräumt, dafür werden jetzt oben bei der Credit Suisse Geldgeschäfte im Container getätigt. Und neu kaufen wir unser Stück Käsefladen und das tägliche Brot im Gschwend-Verkaufswagen am Eingang der Goliathgasse.

Dieses Geschäften im Provisorium verlangt Kompromisse, bei Angestellten wie Kunden. Da ist alles etwas enger und weniger komfortabel, und doch macht es den Alltag irgendwie leichter, entspannter, das Behelfsmässige hat seinen eigenen Charme. Und es zeigt: Es geht eigentlich auch rustikaler. Die Container und Verkaufswagen in den Gassen, das ist ein bisschen wie alltäglicher Jahrmarkt. Näher bei den Leuten geht fast nicht. Und im Wissen, dass es doch befristet ist und etwas Neues ankündigt, nimmt man einiges in Kauf. So wie man die Umtriebe des Zügelns hinnimmt in der Vorfreude auf die neue Wohnung. So hat das Provisorium auch einen psychologischen Nebeneffekt. Es ist nicht nur funktionale Überbrückung und notdürftige Aufrechterhaltung des Betriebs. Nach der Zeit des Behelfsmässigen wird die neue Einrichtung umso mehr strahlen und leuchten.

Auch das Theater hat auf dem Marktplatz gerade einen Container aufgestellt. Hier allerdings liegt die Sache etwas anders. Zwar steht auch im Theater tatsächlich eine Sanierung an, doch der Container ist nicht als Ersatzbühne gedacht. Er gehört zum Konzept des neuen Schauspieldirektors, der die Not der Banken und Bäckereien für sich zur Tugend macht. Mit dem Container auf dem Marktplatz will er näher dorthin, wo die Leute sind. Am Ende also ist es doch so anders nicht. Auch das Theater will zum alltäglichen Jahrmarkt gehören.

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