«Der Bus ist das Ziel»

ST.GALLEN. Auf dem Parkplatz vor der Grabenhalle ist am Donnerstagnachmittag mächtig was los: Aus einem blauweissen Hippie-Bus dröhnt laut Musik, junge Leute mit Bierdosen in der Hand stehen um Reggae-Künstler Dodo alias Dominik Jud und versuchen, seinen Song «Hippie-Bus» zu singen.

Kathrin Reimann
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Das Glück im Bus gefunden: Reggae-Künstler Dodo mit seinem Hippie-Bus. (Bild: Benjamin Manser)

Das Glück im Bus gefunden: Reggae-Künstler Dodo mit seinem Hippie-Bus. (Bild: Benjamin Manser)

St.Gallen. Auf dem Parkplatz vor der Grabenhalle ist am Donnerstagnachmittag mächtig was los: Aus einem blauweissen Hippie-Bus dröhnt laut Musik, junge Leute mit Bierdosen in der Hand stehen um Reggae-Künstler Dodo alias Dominik Jud und versuchen, seinen Song «Hippie-Bus» zu singen. Die zwei Männer und zwei Frauen mit den Dosen haben auf einer Internetplattform die Mitfahrt im Bus ersteigert. Im Preis von fünf Franken sind Konzerteintritt und Fahrt inbegriffen. Ein fairer Deal. Aber auch für Dodo springt viel heraus. «Sie bringen Cupcakes mit, füllen meinen Kühlschrank, und ich lerne neue Menschen kennen.» Zum Beispiel einen Herrn, der zu Hause 600 Shrimps züchtet.

Der Mann der Stunde

Insgesamt gibt Dodo 21 Konzerte in der ganzen Schweiz. «Auch im hintersten Krachen.» Wie viele Leute auftauchen, ist unterschiedlich: In Urnäsch spielte er vor 40, in Aarau vor 400 Zuschauern. Mit St. Gallen verbindet der 38jährige Musiker aus Zürich vor allem eins: «Mein allererstes Open Air!» Er habe damals als Helfer gearbeitet, um es besuchen zu können. Zehn Jahre später sei er dann gemeinsam mit seiner Entdeckung Steff la Cheffe dort aufgetreten.

Dodo kann man auch als Mann der Stunde im Schweizer Musikbusiness bezeichnen: Als Produzent von Steff la Cheffe, Lo & Leduc und James Gruntz hat er seinen Schützlingen zu Hits, Auszeichnungen und Erfolg verholfen. Um neue Ideen für sein eigenes Projekt zu entwickeln und loszulassen, gönnte sich Dodo eine Auszeit in Brasilien. Weilte dort zuerst bei der Familie seines Schlagzeugers, und als er genug vom Stadtleben hatte, setzte er sich mit dem Surfbrett in einen Bungalow am Meer ab. «Es war magisch; ich habe Lieder geschrieben, und die Ideen sind mir nur so zugeflogen.» Dabei habe er sich Gedanken gemacht, wie er sein Glück maximieren könne. So sei er auch auf die Idee mit dem Hippie-Bus gekommen. «Ich habe mir schon immer einen gewünscht.» Das Glück, am Meer zu sein, Lieder zu schreiben und zu surfen, hört man seinen Liedern an. «Ich bin dort an der Sonne und der frischen Luft total heruntergekommen, ich hätte gar nichts Negatives schreiben können.» Seicht seien seine Texte dennoch nicht. «Tief wie das Meer, kritisch, aber nicht mit dem Zeigefinger», beschreibt er sie. Sein Album, das im Herbst herauskommt, könne man als eine Art Reiseführer fürs Leben betrachten.

Ein rollender Stein

Denn die Leidenschaft fürs Reisen wurde Dodo in die Wiege gelegt. Die Eltern des Bürgers von Schänis wanderten nach Afrika aus, wo Dodo geboren wird. «Mein Vater war Käser und wollte in die Ferne.» Als Dodo sechs Jahre alt ist, muss die Familie wegen der Krankheit des Vaters zurückkehren. Die Juds leben fortan in Wallisellen. Agglo-Kind Dodo absolviert die Handelsmittelschule, später die Schauspielschule. Er musiziert, arbeitet im Reisebüro, als Sandboard-Lehrer, nimmt an einer Reality-Show teil und arbeitet später in einem Kleiderladen. «Ich bin ein rollender Stein, nicht gemacht, sesshaft zu sein.»

Kaffeemaschine für den Bus

Ein Beruf, der mit Reisen verbunden ist, war immer schon sein Traum – die Tour mit dem Hippie-Bus die Erfüllung. «Der Bus ist das Ziel», sagt Dodo. Das Konzert in St. Gallen war das siebte. Und für den Bus war es schon fast ein Heimspiel: Der Hippie-Bus stammt nämlich aus der Custom-Campers-Werkstatt in Gossau. Ausgestattet ist er mit Kühlschrank, LED-Licht, Discokugel, Boxen und demnächst einer Kaffeemaschine. «Ich bin nämlich absolut koffeinsüchtig», sagt Dodo. Was legitim ist, wenn man fast jeden Tag ein Konzert spielt und seine Fans quer durch die Schweiz chauffiert. «Wohnen tue ich aber noch nicht im Bus», sagt Dodo. Auch wenn es sich fast schon ein bisschen so anfühle.

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