«Der Brache Leben einhauchen»

Auf dem Areal St. Gallen West/Gossau Ost soll auf 70 000 Quadratmetern ein nationaler Innovationspark entstehen. Die städtischen Parteien unterstützen das Vorhaben, hier Unternehmen, Forschung und Hochschulen zusammenzubringen.

Nina Rudnicki
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Im Westen von St. Gallen könnte zwischen Winkeln und Gossau ein Innovationspark entstehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Westen von St. Gallen könnte zwischen Winkeln und Gossau ein Innovationspark entstehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein riesiges Gebiet, in dem ganze Städte entstehen und sich neben Universitäten Unternehmen an Unternehmen reihen – das ist das Silicon Valley bei San Francisco. Firmen wie Google, eBay, Facebook und Apple haben sich in dem Innovationspark niedergelassen. Hier wird geforscht, erfunden und umgesetzt. Ähnlich, nur in kleinerer Dimension, könnte es auch bald in St. Gallen West/Gossau Ost aussehen. Eine kürzlich lancierte Machbarkeitsstudie soll nun aufzeigen, ob ein Innovationspark in der Region Sinn macht (Ausgabe vom 13. September).

Arbeitsplätze schaffen

Doch was würde ein solcher Innovationspark der Region überhaupt bringen? Als Folge eines Innovationsparks könne eine gesamte Region aufblühen, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell, sagt Oliver Gassmann, Professor am Institut für Technologiemanagement der HSG. Innovationsparks seien in mehrerer Hinsicht enorm wertvoll. «Zum einen werden qualitativ hochwertige Arbeitsplätze geschaffen, zum anderen wird der Wissens- und Technologietransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft beschleunigt», sagt er. Start-up-Unternehmen würden nicht nur gefördert, sondern auch angezogen. Gäbe es in St. Gallen West/Gossau Ost also einen Innovationspark, müssten laut Gassmann Unternehmensgründungen und Transferprojekte zwischen Hochschulen und Wirtschaft zunehmen. «Das würde sich letztlich auch durch mehr Einnahmen für Gemeinde und Kanton messen lassen», sagt er. St. Gallen habe aufgrund der heute schon guten, aber ausbaufähigen Start-up-Kultur die beste Voraussetzung für einen solchen Park.

Neues Leben einhauchen

Das stösst auch bei den städtischen Parteien auf breite Zustimmung. «Ein Innovationspark würde dazu beitragen, das Image der Stadt zu verbessern», sagt FDP-Fraktionspräsident Roger Dornier. Ausserdem könne man so der Industriebrache im Westen St. Gallens neues Leben einhauchen. Eine Meinung, die auch Philip Schneider, Fraktionspräsident der CVP/EVP, teilt: «Die Stadt muss alles daransetzen, dass der Innovationspark hierhin kommt. Unser Vorteil ist, dass wir bereits ein Bildungsstandort sind.» So könnten Synergien zwischen Bildung, Forschung und Wirtschaft genutzt werden.

«Es ist genial, wenn man Wissenschaft und Praxis miteinander verbinden kann», sagt die SVP-Stadtparlamentarierin Karin Winter-Dubs. Allerdings stellten sich die Fragen, wie viel so ein Projekt die Stadt und den Kanton kosten würde und ob zusätzlich in die HSG investiert werden müsste. Je nachdem, was für Unternehmen sich ansiedelten, müsse man ausserdem Lösungen für den Mehrverkehr finden. «Dabei kann man nicht nur auf den öffentlichen Verkehr setzen, sondern muss etwas für das Auto tun und Strassen ausbauen.»

Mit S-Bahn und Bussen

Der Mehrverkehr ist ein Punkt, den auch die SP der Stadt St. Gallen als möglichen negativen Effekt beurteilt. «Je nachdem, wie sehr das Gebiet beansprucht würde, müsse man darauf achten, dass der Verkehr nicht kollabiert», sagt Vizepräsident Peter Olibet. Dabei spielten vor allem die Anbindung an den öffentlichen Verkehr eine wichtige Rolle. Mit S-Bahn und Bussen seien gute Voraussetzungen gegeben. «Abgesehen davon lohnt sich jede Investition in die Bildung», sagt er. Wenn die Stadt als Bildungsstandort gestärkt werde, sei das gut für die Ostschweiz.

Auch der Quartierverein Winkeln spricht sich für eine allfällige Umnutzung des Industriegebietes aus. «Das ist besser, als wenn alles in Ruinen liegt», sagt Präsident Ramon Gubelmann. Die Verkehrserschliessung sei ein Aspekt, der noch geklärt werden müsse. «Der springende Punkt ist, dass derzeit noch nichts Konkretes vorliegt. Erst dann werden wir die Auswirkungen auf unser Quartier beurteilen können.»