Der Bohrturm lässt auf sich warten

Eigentlich hätte der Bohrturm fürs Geothermiekraftwerk diesen Monat aufgebaut werden sollen. Er steht aber nach wie vor in Deutschland im Einsatz und kommt deshalb erst im Februar.

Tobias Hänni
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Viel Schnee, kein Turm: Der Standort fürs Geothermiekraftwerk. (Bild: Hanspeter Schiess)

Viel Schnee, kein Turm: Der Standort fürs Geothermiekraftwerk. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Jetzt will ich endlich bohren», sagte Stadtrat Fredy Brunner an einem Vortrag über das städtische Geothermieprojekt in Wil. Das war im Juni. Doch Brunner muss sich noch etwas gedulden. Denn wie Geothermie-Projektleiter Marco Huwiler auf Anfrage sagt, kommt der Bohrturm wohl erst im nächsten Februar auf das Areal im Sittertobel. Gebohrt werden solle dann ab Anfang März. «Der Turm ist seit Mitte Jahr im deutschen Becklingen im Einsatz.» Dort, auf dem Bohrplatz nahe Hannover, würden «geologischen Unwägbarkeiten» die Arbeiten verlängern. Um ein weiteres Mal, muss man hinzufügen. Denn der Liefertermin für den Bohrturm wurde schon mehrere Male verschoben.

Bohrbranche fordert Flexibilität

Erst sollte der Turm im November kommen, dann Anfang 2013. Und laut Huwiler ist auch jetzt noch nicht sicher, ob der Turm im Februar tatsächlich kommt. «Es ist möglich, dass die Ankunft um weitere ein bis zwei Wochen verschoben wird», sagt er. Solche terminlichen Unsicherheiten seien im Bohrbusiness allerdings nichts Besonderes. «In dieser Branche muss man flexibel sein und stets damit rechnen, dass ein Bohrturm an einem Ort länger im Einsatz steht.» Für Huwiler sind die Verzögerungen deshalb auch keine Überraschung. «Kommt hinzu, dass uns die Itag Tiefbohr wöchentlich über den Stand der Arbeiten in Becklingen informiert.» Auch wenn die Verzögerungen den Projektleiter nicht überraschen, ärgern tun sie trotzdem. «Alle warten nun auf die allererste Bohrung: Die Bevölkerung, die Medien und die Branche. Und natürlich wir selbst», sagt Huwiler.

«Warten kostet nichts»

Laut Huwiler hat die spätere Ankunft des Bohrturms im Sittertobel keine finanziellen Folgen. «Warten kostet bis jetzt noch nichts.» Erst wenn der Turm aufgestellt sei und die Firma aus irgendwelchen Gründen nicht bohren könne, würden sich Leerläufe finanziell bemerkbar machen. Als Leerlauf möchte Huwiler das Warten auf den Turm ohnehin nicht bezeichnen: «Wir drehen keine Däumchen.» So gebe es nach wie vor diverse Vorbereitungsarbeiten.

Auch auf den Zeitplan des Geothermie-Projekts soll die Verzögerung keine grösseren Auswirkungen haben. «Es kann zum Beispiel sein, dass wir schneller bohren als geplant.» Ohnehin sei eine Verzögerung von einigen Wochen bei einem Projekt wie dem Geothermiekraftwerk nicht entscheidend. «Die Umsetzung von der Studie bis zur Inbetriebnahme dauert normalerweise sechs bis acht Jahre», sagt Huwiler.