Der Bodensee als Wettermacher

Der See beeinflusst das lokale Wetter. So löst er Wetterphänomene wie Quellwolken und Niederschlag aus, weil derzeit kalte Luft über den wärmeren See gleitet und dort Wasserdampf aufnimmt. Im Winter macht der See das Klima milder.

Andreas Walker
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Kalte Luft und warmes Seewasser führen bei speziellen Wetterlagen zu Wolkenbildung und Niederschlag. (Bild: Andreas Walker)

Kalte Luft und warmes Seewasser führen bei speziellen Wetterlagen zu Wolkenbildung und Niederschlag. (Bild: Andreas Walker)

REGION AM SEE. Das vergangene Wochenende in der Bodenseeregion war ziemlich trüb. Dunkle Wolken mit Schauern trugen dazu bei, dass es auch am Tag kaum richtig hell wurde. Bei genauerer Betrachtung fiel jedoch auf, dass sich die dunkelsten Wolken genau über dem See befanden. Schaute man Webcams von anderen Gebieten an, bestätigte sich der Verdacht: Nur im Bodenseegebiet hat es so viele Wolken.

Kalte Luft bläst über Bodensee

Tatsächlich ist der See die Ursache für diese Wolkenbildung bei speziellen Wetterlagen. Das Phänomen wird von den Meteorologen als Lake-Effekt bezeichnet (aus dem Englischen: Lake = See). Dieser Begriff bezeichnet ein Wetterphänomen, das vor allem an grossen Seen oder Binnenmeeren in den Wintermonaten auftritt und oft mit starken Niederschlägen in der Nähe der Gewässer verbunden ist.

Die Ursache für das Wetterphänomen ist kalte Luft, die sich jetzt im Herbst über den wärmeren See bewegt und dabei viel Wasserdampf aufnimmt. Deshalb bilden sich über dem See und am Seeufer in Windrichtung mächtige Quellwolken, die oft viel Niederschlag bringen. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen, wenn sich sehr kalte Luft in den höheren Luftschichten befindet. Diese Kaltluft ist sehr labil, deshalb erhält sie einen zusätzlichen Auftrieb zum Aufsteigen. Da sich aufsteigende Luft abkühlt, und damit weniger Wasserdampf aufnehmen kann, kondensiert die Feuchtigkeit als Wolke aus, die schliesslich Niederschlag erzeugt. Tatsächlich lag am vergangenen Wochenende ein Gebiet mit ausgeprägter labiler Höhenkaltluft über der Bodenseeregion, was das regnerische Wetter erklärt.

Verstärkter Niederschlag

Im Bodenseegebiet ist der Lake-Effekt dann besonders ausgeprägt, wenn ein leichter Wind aus Nordwesten die gesamte Länge des Sees überstreicht und deshalb besonders viel Wasserdampf aufnehmen kann. Wird der Wind auf der anderen Seite noch gestaut, was oft in der Region Rorschach durch die Topographie der Fall ist, werden die Hebung und damit der Niederschlag noch zusätzlich verstärkt. Typischerweise bildet der Lake-Effekt in Kombination mit ausgeprägter Höhenkaltluft jene Wetterlage, die auch das Entstehen von Wasserhosen ermöglicht. So waren denn auch am Montagvormittag hin und wie die sogenannten Trichterwolken zu erkennen, die als Ansätze von Wasserhosen sichtbar wurden.

Mildere Temperaturen am See

Befindet sich ein stabiles Hochdruckgebiet über dem See, das in der Höhe keine labile Kaltluft enthält, entstehen die herbstlichen Nebellagen. Gleitet kühle Luft über den warmen See, bildet sich über der Wasseroberfläche Nebel. Grosse Seen führen in ihrem Umfeld auch zu einem wärmeren Klima. Die gespeicherte Sonnenenergie im Wasser, die an heissen Sommertagen aufgenommen wurde, wird im Winterhalbjahr wieder an die Umgebung abgegeben, wie von einem Akku, der sich nach und nach entlädt. Somit sind die Wintertemperaturen unmittelbar am See milder, als sie es ohne den See wären.