Der blutige Teil der Arbeit ist schon erledigt

Tierpräparator «Etwas makaber ist es schon», sagt ein Museumsbesucher, der von den beiden Tierpräparatoren kommt. Diese lassen sich am Eröffnungswochenende ausnahmsweise bei der Arbeit über die Schulter schauen. Gleich beim Eingang, wo die Kinderwagen parkiert sind, haben sie sich eingerichtet.

Christina Weder
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Lorenzo Vinciguerra, Tierpräparator im Naturmuseum St. Gallen, arbeitet normalerweise ohne Zuschauer. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Lorenzo Vinciguerra, Tierpräparator im Naturmuseum St. Gallen, arbeitet normalerweise ohne Zuschauer. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Tierpräparator «Etwas makaber ist es schon», sagt ein Museumsbesucher, der von den beiden Tierpräparatoren kommt. Diese lassen sich am Eröffnungswochenende ausnahmsweise bei der Arbeit über die Schulter schauen. Gleich beim Eingang, wo die Kinderwagen parkiert sind, haben sie sich eingerichtet.

Jarno Kurz föhnt einer Blaustirnamazone das Gefieder, bevor er dem Papagei den Bauch zunäht. Neben ihm macht sich Lorenzo Vinciguerra, der am Samstag einen Uhu präpariert hat, an einem Baummarder zu schaffen. Er würgt einen Marderfuss ins Fell. «Ui», seufzt eine Museumsbesucherin, bleibt aber trotzdem stehen. «Ja, es knorzt», sagt der Präparator. Den blutigen Teil der Arbeit habe er vorher schon erledigt – noch ohne Zuschauer.

Aus der Wildnis in die Ausstellung

Zehn Arbeitsstunden braucht Vinciguerra, um den Baummarder fertig zu präparieren. Geduldig stellt er sich den Fragen der Museumsbesucher. Und Fragen gibt es am Tisch der Präparatoren viele. Ein Primarschüler will etwa wissen, wie der Baummarder denn gestorben sei: «Musste er extra getötet werden, um ins Museum zu kommen?» Nein, sagt Vinciguerra, der Marder sei überfahren worden. Ein Wildhüter habe ihn ins Museum gebracht. Auch sein künftiges Plätzchen in der Ausstellung stehe schon fest. Der Marder soll auf einem Ast im «Bärenwald» sitzen.

Die Präparatoren werden heute wieder in ihre Werkstatt im Untergeschoss des Museums zurückkehren. Der Einblick in ihre Arbeit zeigt: Bei den Besuchern ist die Faszination dafür eindeutig grösser als das Grausen.