Der besonnene Schaffer

Peter Jans ist das amtsjüngste Mitglied des Stadtrats. Seit eineinhalb Jahren amtet er als Direktor der Technischen Betriebe. Dort will er Angedachtes zu Ende führen und immer mehr eigene Akzente setzen.

Luca Ghiselli
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SP-Stadtrat Peter Jans in seinem Büro an der St. Leonhardstrasse. Bild: Ralph Ribi (Bild: (Ralph Ribi))

SP-Stadtrat Peter Jans in seinem Büro an der St. Leonhardstrasse. Bild: Ralph Ribi (Bild: (Ralph Ribi))

Als Peter Jans im November 2014 die Ersatzwahl in den Stadtrat gegen die FDP-Kandidatin Barbara Frei für sich entscheiden konnte, wusste er, worauf er sich eingelassen hatte. Als neuer Direktor der Technischen Betriebe wartete viel Arbeit auf ihn. «Ich habe mir die Arbeit so vorgestellt, wie es dann auch herausgekommen ist», sagt Jans mit Blick auf seine ersten 18 Monate im Stadtrat.

Konkrete Ziele und lange Arbeitstage

Zahlreiche Projekte waren während der zehnjährigen Amtszeit seines Vorgängers Fredy Brunner (FDP) aufgegleist worden, andere waren bereits in der Umsetzungsphase. «Die Einarbeitungszeit war sehr intensiv», erinnert sich der SP-Stadtrat. Trotzdem sei er schnell im neuen Job angekommen. Seit seinem Amtsantritt habe er Projekte mitprägen können. «Die Grundrichtung war gut vorgespurt, trotzdem konnte ich in der kurzen Zeit schon Akzente setzen», sagt Jans.

Dazu gehören zum Beispiel die Einführung der Grüngutabfuhr ab 2017 oder das Smartnet, das «Internet der Dinge». Jans setzt sich und seiner Direktion gerne Ziele, die er auch transparent kommuniziert. «Das kann nochmal einen Schub geben und dazu führen, dass wir uns noch stärker engagieren, um die Ziele zu erreichen.» Er legt Wert darauf, dass immer ein Team hinter Ideen und Projekten steht und nicht er allein als Direktor der Technischen Betriebe.

So sollen zum Beispiel bis zum Start der Grüngutabfuhr 1600 Container-Abos verkauft werden. Auch die Fernwärme gelte es in einer zweiten Etappe weiter auszubauen, um die Ziele des städtischen Energiekonzepts 2050 zu erreichen. Und bis 2020 sollen 1000 Elektroautos auf Stadtsanktgaller Strassen unterwegs sein. Vor seiner Wahl in den Stadtrat war Peter Jans am Kreisgericht tätig, drei Jahre davon als Präsident. Früher amtete er als Geschäftsführer der VCS-Sektion St. Gallen-Appenzell. Auch im Stadtparlament (1989 bis 1996) und im Kantonsrat (1996 bis 2006) nahm er Einsitz. Die Aufgaben in der Exekutive könne man damit aber kaum vergleichen, sagt Jans.

«Stadtrat ist sicher kein Beruf, den man 42 Stunden pro Woche ausübt.» Mit Abendeinsätzen und anderen Verpflichtungen kommt Jans auf rund 60 Arbeitsstunden wöchentlich. «Jetzt arbeite ich nicht weniger als am Anfang der Amtszeit. Der Fokus hat sich aber verschoben», sagt der 56-Jährige. Vor seiner Wahl habe er den Arbeitsaufwand mit seiner Frau besprochen. Zwar bleibe weniger Zeit für Freunde als früher. «Ich arbeite aber sehr gerne.»

Wichtig ist Peter Jans der Blick über den Tellerrand. «Andere Städte können zwar viel von uns lernen. Zum Beispiel beim Thema Smartnet. Aber auch wir können uns von anderen inspirieren lassen», sagt er. Dafür reiche es schon, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Im Austausch mit anderen Energiedirektoren komme man auf neue Ideen. Was St. Gallen von anderen lernen kann? «Mut haben, Investitionen zu tätigen», sagt Jans nach kurzem Überlegen.

Die Vision einer Tramlinie und die Elektromobilität

Jans ist nicht nur stiller Umsetzer, er treibt auch eigene Visionen voran. Dazu gehört zum Beispiel eine Tramlinie durch die Talsohle. Bis zu einer allfälligen Realisierung dürfte es zwar noch Jahrzehnte dauern, trotzdem finden im Hintergrund jetzt schon Abklärungen statt. «Derzeit prüfen wir die Wirtschaftlichkeit einer solchen Tramlinie», sagt Jans.

Dabei gelte es, Faktoren wie den Standort für ein Tramdepot und die Finanzierung zu berücksichtigen. «Der Stadtrat als Gremium geht mit mir einig, dass es diese Tramlinie braucht», sagt Jans. Er erhofft sich davon einen Entwicklungsschub für die ganze Stadt. Im Amt wird Jans die Tramlinie aber wohl nicht mehr einweihen können.

Die Mobilität in der Stadt ist Peter Jans ein grosses Anliegen. Nicht nur beruflich, sondern auch privat. Oft ist er mit dem Velo unterwegs. «Wir können den Verkehr in der Stadt effizienter abwickeln», sagt Jans. Gerade im Bereich der Umstellung auf elektrische Fahrzeuge sei viel im Gang. Es gehe darum, Anreize zu schaffen und zum Umdenken anzuregen. Die Stadt könne da mit gutem Beispiel vorangehen. Es gelte das alte Sprichwort: «Global denken, lokal handeln.» Damit seine Vision einer starken und lebenswerten Zentrumsstadt auch in Zukunft weiter Form annimmt.

Bild: Luca Ghiselli

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