Der berufene Unabhängige

Schuldirektor Vor vier Jahren schaffte Markus Buschor ohne Partei, dafür mit Hut, den Einzug in den Stadtrat. Seither leitet er die Direktion Schule und Sport. Dies will er weiterhin tun. Einen Plan B hat der 55-Jährige nicht.

Kathrin Reimann
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Bild: Kathrin Reimann

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Hell, klar, aufgeräumt. In Markus Buschors Büro ist alles an seinem Platz. Zwei Fotografien zieren die Wand, ein Modell der St. Leonhard-Kirche steht in der Ecke und an der Wand prangt ein Zitat von Marcel Proust, das dazu auffordert, zu versuchen, stets ein Stückchen Himmel über seinem Leben freizuhalten. «Es ist wohltuend, ab und zu einen Blick nach oben zu werfen. Das hilft runter zu kommen.»

Schwimmflächen und Betreuung für alle

Vor vier Jahren wurde der 55-Jährige im zweiten Wahlgang in den Stadtrat gewählt und verliess seine Berufe als Architekt und Dozent zugunsten der Direktion Schule und Sport. Bereut hat er den Schritt nie. «Es ist die schönste Aufgabe und es macht mir Freude, die Stadt mitzugestalten.» Stolz ist Buschor auf seine Stimme, die, wie er sagt, trotz Parteilosigkeit gehört und gewichtet werde. Auch im Departement blickt er auf Erfolge. «Das Schulsystem geht in eine Richtung, die sich an den Fähigkeiten der Kinder orientiert, die Tagesbetreuungsangebote und die offene Kinderarbeit wurden ausgebaut.» Auch konnte er den Stadtrat überzeugen, dass es Schwimmflächen für alle braucht und die Anlagen saniert und erweitert werden müssen. Und er hat noch viele Pläne. Etwa die Reorganisierung seiner Direktion, die Umstellung auf den Lehrplan 21 oder der weitere Ausbau der Kinderbetreuung und des Jugendsekretariats. «Wichtig ist es mir auch, die Firmenkultur zu verbessern.» So will er die Stimmen seiner Mitarbeitenden bis ganz unten abholen und aufgrund dieser dann seine Entscheidungen treffen.

Für Markus Buschor ist klar: Er will im Stadtrat bleiben. Einen Plan B gebe es nicht. «Ich vertraue den Wählerinnen und Wählern, dass sie meine engagierte, unabhängige und auf die Zukunft gerichtete Arbeit schätzen.» Und auch wenn er mit Herzblut als Architekt tätig war, diesen schönsten aller Berufe habe er bisher keinen Tag vermisst. «Ich folge jetzt meiner Berufung.»

Nur eines fehlt ihm: Einem Stadtrat ist es nicht möglich, die Arbeit frei einzuteilen. «Ich arbeite gleich viel wie als Architekt. Trotzdem sehe ich meine Familie weniger.» Früher habe er den Satz «Du bist ja nie zu Hause!» nie gehört. Heute äussern ihn die drei Töchter und seine Frau öfters. «Das beschäftigt mich schon, schliesslich bin ich der Schuldirektor und vernachlässige die eigenen Kinder.» Zwei seiner Töchter besuchen die Volksschule und kommen für ihn gewissermassen als «Spioninnen» zum Einsatz. «Ihre Informationen sind für mich von grossem Wert.» Ausserdem schauen sie, dass er auf dem Boden bleibt. Und auch bei optischen Fragen stehen sie ihrem Vater zur Seite. Das Resultat ist auf den Bildern der aktuellen Kampagne zu sehen: Der Hut fehlt. «Mir wurde dazu geraten.» Er selber fühle sich sicher mit Hut und trage seit dem 18. Lebensjahr einen. «Ich war in Versuchung, wieder mit Hut zu posieren. Ohne fühle ich mich nackt.»

Auch neu ist die Bezeichnung. Buschor beschreibt sich nicht mehr als parteilos. «Das hört sich an, als würde etwas fehlen.» Markus Buschor ist jetzt vielmehr unabhängig. «Das zeugt von Stärke.» Sowieso, eine Partei fehlt dem Stadtrat keineswegs. «Ich befinde mich auch ohne im ständigen Austausch.» Zudem ist er stolz darauf, nicht zur Spielfigur im Politspiel zu mutieren. «Ich suche nach Konsens mit einer Haltung, die links von der Mitte zu verorten ist, und ich arbeite sachbezogen und menschenorientiert», sagt Buschor, der zu seinen wichtigsten Themen Chancengerechtigkeit, Schwimmbäder für alle und die Förderung von Fussgängern und Velofahrern zählt.

Abbild der Gesellschaft im eigenen Umfeld

Dass Chancengerechtigkeit wichtig ist, kennt der in Goldach als Sohn eines Bauunternehmers aufgewachsene Buschor aus der eigenen Familie. «Eine Schwester ist Nonne, eine Schwester ist Treuhänderin, mein verstorbener Bruder war Baumeister – und sie alle sind oder waren zufrieden.» Dieses Abbild der Gesellschaft im Kleinen habe ihm früh klar gemacht, dass jeder Mensch andere Kompetenzen habe und anders gefördert werden müsse, um glücklich zu werden.

«Ich habe mich vom ersten Tag im Architekturstudium ebenso wohl und richtig am Platz gefühlt wie am ersten Tag als Stadtrat», sagt Buschor. Seinen grössten Fehler im Leben – dies sagte er vor wenigen Tagen gegenüber Radio SRF – sei hingegen, dass er erst spät, mit 40 Jahren, Vater geworden sei. «Kinder kriegen ist das beste Projekt, dass ich je in Angriff genommen habe. Hätte ich das gewusst, ich hätte früher damit angefangen.»