Der Bach als Knacknuss

Seit zwei Jahren ist das Bauprojekt für die Alte Käserei im Dorfzentrum Abtwil bekannt. Sichtbar getan hat sich bisher nichts. Der Grund: Der Mühlebach und das neue Wasserbaugesetz.

Corinne Allenspach
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Stattlicher Neubau: Anstelle der Alten Käserei im Abtwiler Dorfzentrum ist ein vierstöckiges Wohn- und Gewerbehaus geplant. (Bild: Visualisierung: FHS St. Gallen)

Stattlicher Neubau: Anstelle der Alten Käserei im Abtwiler Dorfzentrum ist ein vierstöckiges Wohn- und Gewerbehaus geplant. (Bild: Visualisierung: FHS St. Gallen)

ABTWIL. Gesetz ist Gesetz. Und das neue kantonale Wasserbaugesetz sieht vor, dass ein Bach offengelegt und renaturiert werden muss, sobald das zugehörige Grundstück angetastet wird. Ein ebensolcher Bach, der Mühlebach, fliesst vom Sonnenberg her mitten durchs Abtwiler Dorfzentrum. Eingedohlt, praktisch unter dem Trottoir neben dem Feuerwehrdepot und der Alten Käserei hindurch.

Theorie einfach, Praxis nicht

Bisher hat der Bach den Abtwilern kaum Sorge bereitet, nun aber hat er sich zu einer richtigen «Knacknuss» entwickelt. Denn auf dem Grundstück der Alten Käserei soll ein neues Wohn- und Gewerbehaus entstehen. Seit dem Jahr 2007 sucht die Gemeinde Gaiserwald dort eine Lösung. Ende 2011 hat sich der Gemeinderat für ein Projekt des Architekten Rolf Prim entschieden, der unter anderem auch das Spelterini-Schulhaus in St. Gallen gebaut hat und das Foyer im Hörsaal des Kantonsspitals. Der Baubeginn in Abtwil ist eigentlich längst überfällig. Von einer Baustelle ist aber bei der Alten Käserei noch gar nichts zu sehen. Der Grund: der Mühlebach und das neue Wasserbaugesetz. «In der Theorie tönt das Gesetz ja einfach», sagt Thomas Meyer, Leiter Bauamt der Gemeinde Gaiserwald. In der Praxis sei es aber «fast ein Ding der Unmöglichkeit, mitten im Dorfzentrum einen Bach zu öffnen und zu renaturieren». Denn gleichzeitig müsste man das Gewässer ja wieder einzäunen, damit niemand hineinfalle.

So einfach das Gesetz in der Theorie, so kompliziert gestalteten sich die Abklärungen mit dem Kanton, die fast ein Jahr dauerten. «Das braucht halt seine Zeit», sagt Thomas Meyer. Geeinigt habe man sich nun darauf, den Bach im Dorfzentrum nicht anzutasten, ihn dafür oberhalb des Feuerwehrdepots vom Sonnenberg her noch ein Teilstück weiter zu öffnen, als er es jetzt schon ist.

Baubeginn frühstens Mitte 2014

Bei der Gemeinde ist man froh, endlich eine einvernehmliche Lösung mit dem Kanton gefunden zu haben, wie Gemeindepräsident Boris Tschirky sagt. Vorgestern wurde der diesbezügliche Gestaltungsplan erstmals in der Baukommission der Gemeinde besprochen, im November soll er auch vom Gemeinderat abgesegnet werden. Noch dieses Jahr wird der Gestaltungsplan öffentlich aufgelegt, danach muss der Kanton das Projekt definitiv bewilligen. Boris Tschirky rechnet «im optimalsten Fall» mit einem Baubeginn Mitte 2014.

Frustrierend, aber nichts Neues

Und was sagt Architekt Rolf Prim dazu, dass alles so lange dauert? «Es ist frustrierend, aber nicht aussergewöhnlich.» Oft komme es ja vor, dass private Einsprecher ein Bauprojekt verzögerten, jetzt seien es halt komplexe gesetzliche Rahmenbedingungen. «Man kann sicher niemandem bösen Willen unterstellen.» Sowieso sei ihm die Verzögerung gerade gelegen gekommen, da er noch einige andere Projekte gehabt habe. In Abtwil will Prim anstelle der Alten Käserei zusammen mit der Gilufa Immobilien AG, dessen Inhaber Guido Widmer ist, ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus bauen. Mit zehn Wohnungen und einem Arkadenbereich im Erdgeschoss. Der jetzige Dorfplatz bleibt weiterhin erhalten.

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