Der Autoverkehr stagniert

Die Zahl der Fahrzeuge hat sich an den meisten Messstellen in der Stadt St. Gallen im vergangenen Jahr kaum erhöht. Einige Strassen stossen aber an ihre Kapazitätsgrenzen.

David Gadze
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Der Verkehr in der Stadt St. Gallen hat in den vergangenen Jahren im grossen und ganzen stagniert. Auch 2014 hat er an den meisten Zählstellen nicht oder nur leicht zugenommen, an einigen neuralgischen Punkten in der Stadt – beispielsweise an der Torstrasse – war er gar rückläufig. Auch die Zahl der Unfälle ging zurück (siehe Grafik und Zweittext). Das geht aus den Verkehrsdaten 2014 hervor, welche das städtische Tiefbauamt jetzt veröffentlicht hat.

Natürliche Pförtneranlagen

Die Verkehrsmenge auf den städtischen Strassen sei in den vergangenen Jahren grösstenteils stabil geblieben, sagt Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr beim städtischen Tiefbauamt. An gewissen Knoten bedeutet stabil jedoch konstant hoch. Einige von ihnen seien denn auch regelmässig überlastet. «Der Blumenbergplatz oder die St. Leonhard-Brücke stossen heute an ihre Kapazitätsgrenzen», sagt Hasler. Er spricht von eigentlichen «natürlichen Pförtneranlagen». Eine Zunahme der Verkehrsmenge sei an diesen Punkten also nur theoretisch möglich. Nicht so auf den angrenzenden Strassen: So hat an der Geltenwilenstrasse die Verkehrsmenge in den vergangenen zehn Jahren zugenommen.

Die Entlastung der städtischen Strassen infolge der Eröffnung der Stadtautobahn vor bald 30 Jahren sei aber immer noch messbar, sagt Hasler. Das zeigt auch ein Blick in die Zahlen: Beispielsweise ging die Verkehrsmenge an der Rorschacher Strasse im Singenberg seit 1987 um 23 Prozent (oder im langjährigen Mittel um rund ein Prozent) zurück. Im Vergleich zu 1986 – also ein Jahr vor der Eröffnung der Stadtautobahn – beträgt der Rückgang gar 54 Prozent. Im vergangenen Jahr resultierte an dieser Stelle allerdings eine Verkehrszunahme von 4 Prozent.

Dass die Entlastung nicht überall gleich gross ist, zeigt sich etwa an der Zürcher Strasse in Bruggen. Dort hat die Verkehrsmenge seit der Eröffnung der Stadtautobahn um 22 Prozent zugenommen. Wie es vorher war, will man eigentlich gar nicht wissen. Denn im Vergleich zum Jahr 1986 ist die Verkehrsmenge heute um 46 Prozent tiefer.

Stadtautobahn bald überlastet

Der Verkehr auf der Stadtautobahn und an den Anschlüssen nimmt aber jährlich um etwa zwei Prozent zu. Das sei ein grosses Risiko, sagt Hasler. «Solange die Stadtautobahn den zusätzlichen Verkehr schlucken mag, merkt man in der Stadt kaum etwas von der Zunahme.» In naher Zukunft werde aber die Kapazität der Autobahn nicht nur ausgereizt, sondern erschöpft sein. Hasler vergleicht das daraus resultierende Szenario mit einer vollen Badewanne, die plötzlich überläuft: Der Verkehr werde sich dann nicht tröpfchenweise, sondern in einem Schwall auf die städtischen Strassen ergiessen. «Wir merken das schon heute, wenn es zu Unfällen auf der Stadtautobahn kommt. Dann sind sofort auch die städtischen Hauptverkehrsachsen verstopft.»

Wohin weichen Autofahrer aus?

Interessant ist, dass die Verkehrsmenge auf der St. Leonhard-Brücke seit Jahren bei rund 27 500 Fahrzeugen pro Tag liegt und auch an den Messstellen an der Rosenbergstrasse konstant ist, die Fahrten aus dem Schorentunnel in östlicher Richtung aber zunehmen. Eine logische Erklärung dafür gebe es nicht, sagt Hasler. «Auch wir stellen uns die Frage, wohin diese Autofahrer ausweichen.»