DEPONIE: Bauschutt auf der grünen Wiese

Am Gossauer Stadtrand könnte eine Deponie entstehen. Der Standort wurde neu in den ­Richtplan aufgenommen. Die Pläne sind allerdings noch nicht ausgereift.

Noemi Heule
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Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Wer Gossau auf der Wilerstrasse verlässt, lässt die letzten Ausläufer der Stadt mit dem Mac Donald’s hinter sich. Kurz bevor die Strasse vom Wald verschluckt wird, erstreckt sich auf der rechten Seite zwischen den Weilern Bluemenau und Waldau eine grüne Wiese – das Radmoos. Dort könnte dereinst eine Deponie entstehen.

Das Radmoos ist einer von fünf Standorten, die neu in die Liste möglicher Deponien im kantonalen Richtplan aufgenommen wurden. Das Gebiet wird mit rund 320000 Quadratmetern und einem Volumen von rund zwei Millionen Kubikmeter umrissen. Konkrete Zahlen, die mit Vorsicht zu geniessen seien, sagt Tensing Gammeter vom kantonalen Amt für Umwelt und Energie. Konkret nämlich sei derzeit wenig. «Die Flughöhe ist noch hoch», sagt er. Eine Festsetzung im Richtplan heisst nur, dass keine Ausschlusskriterien gegen eine Deponie sprechen – etwa aus Gründen des Naturschutzes. Die Änderungen im Richtplan sind derzeit in der Vernehmlassung. Pläne liegen bis Ende Juni in den Gemeinden auf oder sind auf der Website des Amtes für Raumentwicklung und Geoinformation (Areg) einsehbar.

Klar ist: Der Kanton St. Gallen braucht neue Deponien, der Platz für Aushubmaterial und Bauabfälle ist knapp. Zwar nahm die Aushubmenge in den letzen drei Jahren laut Gammeter leicht ab. Auch neue Deponien, die derzeit eröffnen oder kurz vor der Realisierung stehen, änderten jedoch nichts an der Raumnot. «Vor allem im Raum St. Gallen, Rorschach, Wil besteht weiterhin Bedarf.» Dort seien die Reserven in rund fünf Jahren aufgebraucht. Dennoch: Die Liste der möglichen Deponien ist lang, 23 mögliche Standorte finden sich im ganzen Kanton. Ihnen stehen 12 bestehende Deponien gegenüber. «Es sieht nach vielen Standorten aus», sagt Gammeter. Noch sei allerdings unsicher, wie viele tatsächlich realisiert werden könnten.

Gewässer offenlegen und Böden schützen

Der Richtplan soll denn auch vor allem Sicherheit schaffen für das zuständige Unternehmen, um die Planung voranzutreiben und weiterzuführen. Federführend ist im Falle Radmoos die Flawiler Firma Brunner Umweltservice AG. Geschäftsführer Martin Altherr spricht vom «Anfang eines langen Weges». Gespräche mit der Stadt und den Grundeigentümern hätten bereits im Vorfeld stattgefunden. Momentan gelte es, die Ergebnisse der Vernehmlassung abzuwarten. Der Zeithorizont bis zu einer möglichen Eröffnung sei derzeit nicht abzuschätzen. Erfahrungsgemäss dauere es mehrere Jahre bis zur Baubewilligung.

Die Detailplanung liegt also noch weit entfernt – und sie ist wiederum an Auflagen geknüpft. So müssen die Betreiber gemäss Richtplan Fruchtfolgeflächen auf dem Gebiet schützen. Auch eingedolte Gewässer befinden sich im Radmoos. Sie müssen offengelegt werden, bevor dort eines Tages Bauschutt oder Aushub deponiert werden kann.