Den Verlierern sei Dank

Von 10 000 Franken für die Bibliothek Wyborada bis zu 315 000 Franken für archäologische Arbeiten auf dem Gallusplatz – so weit reicht der Bogen der Lotteriefondsauszahlungen.

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Zweimal im Jahr beglückt der Kanton St. Gallen primär kulturelle und soziale Institutionen mit Beiträgen aus dem Lotteriefonds. Die eigentlichen Spender sind allerdings jene Teilnehmer, die bei den Glücksspielen der Landeslotterie leer ausgegangen sind.

Mit den 4,97 Millionen Franken, die dem Kanton diesen Winter für Lotteriefondsbeiträge zur Verfügung stehen, sollen auch einige Vorhaben in der Stadt St. Gallen unterstützt werden. Das Kantonsparlament entscheidet an seiner Novembersession definitiv.

Archäologie benötigt mehr

Gemäss Antrag der Kantonsregierung soll die Kantonsarchäologie einen Rahmenkredit von rund 400 000 Franken erhalten. Davon stehen 315 000 Franken für die Arbeiten auf dem Gallusplatz zur Verfügung. Letzten Sommer hatte sich gezeigt, dass dort die archäologischen Schichten (8. bis 11. Jahrhundert) besser und auf grösserer Fläche erhalten sind als bisher angenommen.

Nicht weit davon weg benötigt das Stiftsarchiv eine Restaurierung. Der Zustand des frühmittelalterlichen Urkundenbestands mit insgesamt 876 Urkunden sei zwar befriedigend. Doch nur eine Gesamtevaluation könne Gewissheit geben über die tatsächlichen Schäden. Die Regierung möchte 60 000 Franken dem Lotteriefonds entnehmen. Der restliche Betrag von 33 000 Franken entfällt auf den Katholischen Konfessionsteil.

50 000 Franken sind vorgesehen für den Notfonds für Schwangere der Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität. Diese Einrichtung ist verteilt auf vier Regionen; eine Beratungsstelle befindet sich in St. Gallen. Gemäss Bericht der Kantonsregierung rechtfertigt sich der Betrag aufgrund rückläufiger Spendeneinnahmen und der Notwendigkeit, den Notfonds für die Zukunft zu sichern.

Neues Lichtsystem im Lagerhaus

Für ein neues Beleuchtungssystem im Lagerhaus an der Davidstrasse sollen 75 000 Franken bereitgestellt werden. An diesem für Art Brut, Naive Kunst und Outsider Art spezialisierten Ort besteht ein grosser Teil der Werke aus Zeichnungen, die mit Blei-, Farb- oder Filzstift angefertigt wurden und entsprechend lichtempfindlich und heikel aufzubewahren sind. Professionelle Präsentation und Einhaltung der Lichtwerte seien umso wichtiger, als sich Autorinnen und Autoren auch aus finanziellen Überlegungen nicht um die Qualität der Werkstoffe kümmern könnten, heisst es in der Begründung. Die Kosten für das Lichtsystem sind auf 239 000 Franken veranschlagt.

Auch die Denkmalpflege profitiert. Die Gesamtkosten der Renovation der klassizistischen Villa Nef an der Kreuzackerstrasse betragen 2,78 Millionen Franken. Der Teil zugunsten der Denkmalpflege soll 598 000 Franken kosten. 10 Prozent davon übernähme der Lotteriefonds. Die Aufwendungen für die Denkmalpflege bei der Innenrenovation des Wohnhauses an der Zwinglistrasse 8 sollen 45 900 Franken und jene der Villa an der Zweibruggenmühlestrasse 39 300 Franken betragen.

Nie weniger als 10 000 Franken

Namhafte Beträge sind auch für einige kulturelle Institutionen vorgesehen. So für das Textilmuseum 100 000 Franken oder für das 25-Jahr-Jubiläum der Frauenbibliothek Wyborada 10 000 Franken (der kleinstmögliche Betrag).

Bei allen Vorhaben aber gilt: Wer im Lotto verliert, kann sich wenigstens als kleiner Sponsor subventionswürdiger Institutionen wähnen. (th)