Den Naturgefahren trotzen

Mit einer neuen Software kann jedermann online überprüfen, ob sein Haus von Naturgefahren bedroht ist. In der Stadt bereitet vor allem das Hochwasser der Steinach Probleme. Dabei können sich Hausbesitzer auf einfache Weise schützen.

Roger Berhalter
Drucken
Teilen
Noch im Bau: Ein 100 000 Kubikmeter fassendes Becken beim Rütiweier soll das Quartier St. Georgen vor Hochwasser schützen. (Bild: Peter Käser)

Noch im Bau: Ein 100 000 Kubikmeter fassendes Becken beim Rütiweier soll das Quartier St. Georgen vor Hochwasser schützen. (Bild: Peter Käser)

Die grösste Naturgefahr auf Stadtgebiet ist schnell ausgemacht. Lawinen sind in St. Gallen kein Thema, hohes Hangrutschrisiko besteht höchstens an einigen Stellen in St. Georgen und im Ahorn, Steinschlag kommt allenfalls im Gebiet Kubel vor. Die grösste Naturgefahr – neben Wetterschäden wie Hagel und Sturm – ist das Wasser. «Die Hauptgefahrenquelle auf Stadtgebiet ist die Steinach», sagt Daniel Schläpfer, Leiter der Abteilung Wasserbau im städtischen Tiefbauamt.

Für jede beliebige Adresse

Das und mehr zeigt sich auch auf der kantonalen Gefahrenkarte, die seit Herbst 2011 für die Region St. Gallen verfügbar ist. Unter www.geoportal.ch ist eine Vielzahl an Daten einsehbar, allerdings sind die Gefahrenkarten für Laien nicht leicht zu finden und umständlich zu bedienen. Besserung verspricht eine neue Software, welche die Zurich Versicherung mit Unterstützung von Bund und Kantonen entwickelt hat und die auf den offiziellen Daten basiert, die auch für Behörden verbindlich sind. Unter www.zurich.ch/naturgefahren erhält jedermann eine erste Einschätzung der Naturgefahren an einer beliebigen Adresse.

Kleinräumiges Phänomen

Wer zum Beispiel «St. Georgen-Strasse 215» eingibt, landet bei der Steinach in St. Georgen und erhält sogleich die Warnung «erhebliche Hochwassergefahr». Das ist laut Daniel Schläpfer aber die Ausnahme. «Wir haben auf Stadtgebiet viele kleine Bäche mit jeweils kleinem Einzugsgebiet.» Schläpfer spricht von «geringen Intensitäten»: Überschwemmungen in St. Gallen sind nicht flächendeckend und metertief, sondern in der Regel lokal und mit weniger als 25 Zentimeter Tiefe.

Nichtsdestotrotz entstehen Schäden, und die Stadt hat in den letzten Jahren einiges unternommen, um die Hochwassergefahr an der Steinach zu verringern. «Auslöser für uns war das Hochwasser im August 2005», sagt Schläpfer. Auf die Überschwemmungen folgte ein neues Bachsanierungskonzept mit mehreren Massnahmen. Die meisten davon sind mittlerweile umgesetzt: Eingangs St. Georgen soll ein neuer Holzrechen verhindern, dass Schwemmgut die Durchlässe weiter talwärts verstopft. Das Einlaufbauwerk an der Talstation der Mühleggbahn, wo die Steinach in den Untergrund verschwindet, kann nach baulichen Massnahmen jetzt mehr Wasser aufnehmen. Derzeit noch im Bau ist ein Becken am Rütiweier, das 100 000 Kubikmeter Wasser zurückhalten kann. Weitere Massnahmen auf Stadtgebiet sollen folgen. Schläpfer: «Es ist ein Prozess, den wir zusammen mit den betroffenen Grundeigentümern angehen. Denn Massnahmen zum Hochwasserschutz brauchen in der Regel auch Platz.»

Hausbesitzer sind verpflichtet

Nicht nur die öffentliche Hand, auch private Hausbesitzer können etwas gegen Hochwasser tun. Je nach Standort müssen sie das auch und sind verpflichtet, einen so genannten Objektschutznachweis zu erbringen. Dabei zeigt sich, dass auch verhältnismässig einfache Massnahmen grosse Wirkung haben können (siehe Zweittext). All diese kleinen und grossen Massnahmen führen schliesslich dazu, dass das Schadenrisiko an einem bestimmten Standort sinkt. Daniel Schläpfer zeigt auf die wenigen roten Stellen auf Stadtgebiet, die eine erhebliche Gefahr bezeichnen: «Wenn die Gefahrenkarte aktualisiert wird, dürften einige dieser roten Flecken verschwinden.»

Daniel Schläpfer Leiter Bereich Wasserbau im städtischen Tiefbauamt (Bild: pd)

Daniel Schläpfer Leiter Bereich Wasserbau im städtischen Tiefbauamt (Bild: pd)