DEN HUND RICHTIG WÄHLENDEN HUND RICHTIG WÄHLENDEN HUND RICHTIG WÄHLEN: Welpen sind nicht nur herzig

Zwei ausgesetzte Welpen innert zwei Monaten. Viele wünschen sich einen Hund. Dieser bringt aber nicht nur Freude, sondern auch Einschränkungen mit sich. Gerade in der Stadt.

Marlen Hämmerli
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Ohne Sachkundenachweis wird es wieder mehr Hunde in der Stadt geben. (Bild: Miodrag Ignjatovic/iStock)

Ohne Sachkundenachweis wird es wieder mehr Hunde in der Stadt geben. (Bild: Miodrag Ignjatovic/iStock)

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Seit Anfang Jahr müssen die Hundehalter keinen Kurs für Tier und Halter mehr absolvieren. Die Pflicht des Sachkundenachweises ist weggefallen. Daher rechnet die Stadtpolizei gemäss Sprecher Dionys Widmer mit einer Zunahme von Hunden in der Stadt, da die Hürden für Hundebesitzer und solche, die es werden wollen, wieder tiefer sind. Derzeit sind 1761 Hunde angemeldet. Bis Ende Jahr, vor allem zu Weihnachten hin, dürften es aber mehr sein.

Der Wegfall des Sachkundenachweises hat aber unschöne Seiten. Obwohl die Chip-Pflicht weiterhin besteht, wurden in der letzten Zeit in der Stadt und der Region gleich zwei Hunde ausgesetzt: ein schwarzer Schäfer in der Langgasse und ein Dalmatiner in Engelburg. Für Catherine Perren, Sporthundeleiterin der Kynologischen Gesellschaft Sektion St. Gallen (SKG), ist dieses Verhalten unerklärlich: «Diesen Personen muss es an Achtung und Respekt vor dem Tier mangeln. Wer sich einen Hund zutut, sollte sich vorher überlegen, was das für Folgen hat.» An diesem Punkt setzt der Informationsabend der SKG an. Dieser richtet sich an Leute, die sich überlegen, einen Hund anzuschaffen (siehe Kasten).

Als Hundehalter ist man im Alltag eingeschränkt. Der Hund darf viele Geschäfte nicht betreten. Stattdessen muss er draussen angeleint werden. Etwas, das Perren als heikel bezeichnet: «Ich kenne Leute, denen der Hund gestohlen wurde.» Während man im Laden sei, könne draussen alles Mögliche geschehen: «Was ist, wenn der Hund bedrängt wird, bis er in Notwehr zubeisst? Oder er mit etwas gefüttert wird, das er nicht verträgt?» Ein Thema sind auch negative Erleb­nisse, wie Perren selber erleben musste. Sie hatte ihren Welpen kurz vor einem Geschäft zurückgelassen. Als sie zurückkam, sah sie, wie Kinder Pflastersteine nach dem jungen Hund warfen. «Von da an hatte mein damaliger Hund Angst vor Kindern.»

Hat Perren ihre Hündin Ki-Shani dabei, betritt sie des-halb keine Läden, in denen Hunde verboten sind. Oder sie nimmt Ki-Shani gar nicht erst mit. Stattdessen unternimmt sie vor der Einkaufstour einen langen Spaziergang und lässt die müde Hündin zu Hause. «Das ist für beide stressfreier.»

Die Leinenpflicht dient auch dem Schutz des Hundes

Denn in der Stadt gilt generelle Leinenpflicht. Laut Perren auch zum Schutz des Hundes. «Die Leine ist da, damit der Hund nicht auf die Strasse vor ein Auto rennt oder von einem Velofahrer angefahren wird.» Aber natürlich soll die Leine auch Leute beruhigen, die sich vor Hunden fürchten. Perren erwartet Toleranz von beiden Seiten.

Sie nehme Ki-Shani gerne dicht an sich ran und zeige so, dass sie ihren Hund unter Kontrolle hat. Im Gegenzug erwartet Perren aber ebenfalls Verständnis und angepasstes Verhalten. «Die Regel des Anleinens gilt auch für andere Hundehalter, wenn sie sehen, dass ihnen ein angeleinter Hund entgegenkommt». Jogger oder Velofahrer sollten sich bemerkbar machen, wenn sie sich einem Hundehalter von hinten nähern würden. Und dann natürlich nicht an Hundehaltern und Hunden vorbeirasen, «sondern dem Hund Zeit lassen, zum Halter zurückkehren zu können».

Mit einem gut erzogenen Hund sei der Stadtbesuch aber kein Problem. Doch bis dahin ist viel Training und Beziehungsarbeit notwendig. In den ersten 16 Wochen muss der Welpe lernen, wer sein Herrchen ist und wie er anderen Hunden zu begegnen hat. Zudem wird das Verhalten im Alltag trainiert. «Die Junghunde lernen etwa, im Restaurant still unter dem Tisch zu liegen und allgemeine Benimmregeln», sagt Perren. Um dem Hund gerecht zu werden, sei nicht nur genügend Auslauf, sondern auch geistige Arbeit notwendig. «Der Halter muss dreimal täglich spazieren gehen, damit der Hund sein Geschäft verrichten kann. Dazu kommen je nach Bedürfnis weitere zwei Stunden für Spiel und Spass.» Gassi gehen und gleichzeitig auf den Smartphone-Bildschirm starren, geht für Perren nicht zusammen. «Wenn man mit dem Hund draussen ist, soll man sich auch wirklich ihm widmen.» Auch das sei eine der Konsequenzen, denen sich angehende Hundehalter bewusst sein sollten.

Am 12. Oktober führt die Kyno­logische Gesellschaft Sektion St. Gallen einen Informationsabend durch. Dieser richtet sich an alle, die zum ersten Mal einen Hund halten möchten. Themen sind unter anderem, welcher Hund zu wem passt und was seine Grundbedürfnisse sind. Der Kurs kostet 80 Franken und dauert etwa drei Stunden. Informationen und Anmeldung bei Rosmarie Rüber unter 071 290 06 07 oder kassier@skg-st-gallen.ch. (mha)

www.skg-st-gallen.ch