Den Fonds für die Passerelle auflösen

Seit über 100 Jahren warten die Quartiere beidseits des Güterbahnhofs auf einen Fussgängersteg, der sie miteinander verbindet. Der letzte Anlauf dafür ist 2007 gescheitert. Jetzt schlägt der Stadtrat dem Parlament vor, das Kässeli für das alte Projekt aufzuheben.

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Pärklein an der Zylistrasse: Alles bereit, um einen Fussgängersteg von hier aus über den Güterbahnhof an die Oberstrasse zu bauen. (Bild: Elina Grünert)

Pärklein an der Zylistrasse: Alles bereit, um einen Fussgängersteg von hier aus über den Güterbahnhof an die Oberstrasse zu bauen. (Bild: Elina Grünert)

Die Geschichte des Fussgängerstegs über den Güterbahnhof ist ein historisches Kuriosum. Erste Abmachungen für so eine Verbindung zwischen der Zyli- und der Oberstrasse gehen auf 1899 zurück. Damals traf die Stadt Abmachungen mit den Vereinigten Schweizerbahnen (VSB). Aus dem Brückenschlag wurde dann aber nichts.

1923 gingen die VSB in den SBB auf. Um sich von der Verpflichtung für die Mitbeteiligung am Fussgängersteg zu befreien, bezahlten die SBB 50 000 Franken. Mit einem Teil des Geldes wurde der nördliche «Brückenkopf» des Stegs an der Zylistrasse vorbereitet. Die verbleibenden rund 32 000 Franken landeten zweckgebunden in einem Fonds. Diesen verzinst die Stadt brav Jahr für Jahr, so dass heute darin rund 920 000 Franken liegen.

Zinszahlung würde entfallen

Da bisher alle Anläufe für den Fussgängersteg gescheitert sind (zuletzt 2007 im Rahmen einer grossen, vom Volk abgelehnten Neuüberbauung des Güterbahnhof) und auch kein neues Projekt in Sicht ist, will der Stadtrat den Fonds aufheben und die Mittel in die Vorfinanzierung für den Langsamverkehr legen. Damit würde die jährliche Zinszahlung der Stadt quasi an sich selber entfallen.

Beidseits des Güterbahnhofs könnte die Vorlage Widerspruch auslösen. Man kann es falsch verstehen, wenn der Stadtrat schreibt, der Zweck des Fussgängersteg-Fonds sei überholt. Man könnte meinen, das Projekt sei endgültig vom Tisch. Was nicht der Fall ist. Die Mittel für einen neuen Anlauf mit dem Steg können laut Bausekretär Fredi Kömme durchaus aus dem allgemeinen Haushalt der Stadt kommen.

Gemischte Finanzierung

Eine gemischte Finanzierung sah auch das Stegprojekt von 2007 vor. Es hätte 2,08 Millionen kosten sollen. 388 000 Franken hätte der Bauherr vom Güterbahnhof übernommen. 835 000 Franken wären aus dem Fonds gekommen, den der Stadtrat auflösen will. 857 000 Franken hätte die Stadt als zusätzlichen Baubeitrag aufbringen müssen. (vre)