Den Ferien ein Ende setzen

Übrigens

Christina Vaccaro
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Manch einer dachte, sie würden nie aufhören. Doch endlich sind sie vorbei. Mit dem Schluss der Sommerferien ist auch mit der Zeit erschöpften Aufwachens Schluss. Erste – wenngleich spätmorgendliche – Begegnungen mit der Sinnlosigkeit des eigenen Daseins finden ihren ersehnten Abschied. Kein unerträglich strahlender Sonnenschein mehr, kein Badespass und keine laschen Kaffee- und Cocktailpausen. Endlich darf frühmorgens wieder der Wecker klingeln, darf straff nach einem Zeitplan aufgestanden, geduscht und gefrühstückt werden, dürfen die trostlosen, weil zu arbeits- und lobarmen Wände verlassen werden. Im Büro begrüsst einen dankend wieder die selige Arbeit, die einem liebevoll und unmissverständlich zuflüstert: «Ich brauche dich. Schön, dass es dich gibt.»

Doch die Vorstellung, keine Ferien zu machen, ist absurd, beinahe wahnwitzig. Wir brauchen eine ausgewogene Work-Life-Balance, die uns im produktiven, sinnreichen Lot hält.Da verwundert nicht, dass es inzwischen «Freizeitforscher» gibt, seriöse Wissenschafter also, deren akademisches Forschungsthema Ferien sind. Die Urlaubsexperten geben Tipps, wie das Abschalten am besten funktioniert und wie man fähig ist, danach wieder zu arbeiten. Wer nach dem Urlaub keinen Biss spürt, nachts nicht in den Schlaf findet und mittags nichts in den Magen bekommt, leidet am «Post-Holiday-Syndrom». Abhilfe schafft, nach dem Urlaub erst am Mittwoch wieder in die Arbeit zu gehen.

Die Idee, immer eine lebendige Grund(ent)spannung an den Tag zu legen, ist so unmodern, dass man sie allenfalls hinter vorgehaltener Hand seinem Hund zuhaucht. Der versteht den Unterschied zwischen Arbeit und Leben bedauerlicherweise nicht. Er kennt nur Leben, das mal Arbeit, mal (Faul)Sein ist. Das Tun, also die Arbeit, fällt uns heute leichter als das Sein. Ferien kreieren im 21. Jahrhundert eine Menge Stress und sind wenig erholsam. Vielleicht sollte man andenken, sie abzuschaffen.

Christina Vaccaro

christina.vaccaro@tagblatt.ch