Den Abbau schöngeredet

Die Post plant den radikalen Umbau ihres Filialnetzes in der Stadt St. Gallen. Was gestern angekündigt wurde, ist für den Normalverbraucher nicht – wie es in der Mitteilung verklausuliert und beschönigend heisst – die Schaffung neuer «Kundenzugangspunkte».

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Die Post plant den radikalen Umbau ihres Filialnetzes in der Stadt St. Gallen. Was gestern angekündigt wurde, ist für den Normalverbraucher nicht – wie es in der Mitteilung verklausuliert und beschönigend heisst – die Schaffung neuer «Kundenzugangspunkte». Geplant ist ein Leistungsabbau. Dass es für Geschäftskunden zusätzliche Angebote gibt, ist erfreulich, dürfte der vom Abbau betroffenen Privatkundschaft aber herzlich egal sein.

Vor allem ältere Kundinnen und Kunden werden murren. Sie werden die Veränderungen aber akzeptieren. Natürlich. Es bleibt ihnen ja keine andere Wahl. Die Post ist und bleibt in zentralen Bereichen ihres Marktes ein Monopolist. Wer einen Brief verschicken oder ganz altmodisch Zahlungen mit Bargeld tätigen will, hat nicht wirklich Alternativen. Und das wissen die Oberpöstler ganz genau.

Entsprechend sieht die Kommunikationsstrategie aus. Frühere St. Galler Abstriche am Service public wurden nicht einmal angekündigt. Etwa der Wegfall der Briefmarkenautomaten oder die «Straffung» des Netzes der Postbriefkästen. Vielen dürfte auch noch präsent sein, wie der Versuch mit der Postzustellung nach dem Mittag schöngeredet wurde.

Vielleicht ist ein Trost, dass der Umbau des Stadtsanktgaller Poststellennetzes kein Kahlschlag ist. Die Post setzt um, was auf dem Land mit der Agentur im Dorfladen gang und gäbe ist. Wenn in der jetzt trotzdem absehbaren Diskussion schrille Töne zu hören sein werden, ist die Post selber schuld. Wer so kommuniziert wie sie, darf sich nicht wundern, wenn er im Volk angesichts von Veränderungen, die mit Verunsicherung verbunden sind, wenig Glaubwürdigkeit geniesst. Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch