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Demo verärgert Mörschwiler

Der bewilligte Umzug durch Mörschwil am Samstag verlief friedlich. Linke setzen sich für bessere Unterkünfte für Flüchtlinge ein und wollten die Gemeinde unter Druck setzen.
Christina Dietze
Ausgestattet mit Bannern und Fahnen, begleitet von Rap- und Punk-Musik, zogen die Demonstranten durch Mörschwil. (Bild: Benjamin Manser)

Ausgestattet mit Bannern und Fahnen, begleitet von Rap- und Punk-Musik, zogen die Demonstranten durch Mörschwil. (Bild: Benjamin Manser)

Mit dem Zug von St. Gallen ist der Grossteil der Demonstranten am Samstag in Mörschwil angekommen. Die etwa 50 Demonstrierenden forderten bessere Unterkünfte für Flüchtlinge. Sie marschierten vom Bahnhof via Gemeindehaus zum Asylzentrum. Zwei Polizisten standen bereit, um sicherzustellen, dass der Verkehr nicht behindert wird. Die Demo richtet sich laut «Zunder»-Mitglied Matthias Fässler hauptsächlich gegen den Gemeinderat, aber auch die Einwohner Mörschwils wurden adressiert und provoziert. «Bonzen enteignen, Flüchtlinge bleiben» und «eure Kinder werden so wie wir», waren Sprüche, die den Mörschwilern hinter ihren Fenstern und scheinbar leerstehenden Häusern zugerufen wurden. Den wenigen entgegenkommenden Autos wurde nach zwei Minuten Platz gemacht und dem vorbeifahrenden Bus die Banner an die Fenster gehalten, was bei Insassen schockierte Blicke hinterliess. Während des Marsches liess «Zunder» Rap- und Punk-Musik laufen. «Wir nehmen uns extra zurück an der Demo, damit das nicht negative Konsequenzen für die Flüchtlinge nach sich zieht», sagte Demonstrant Richard Faust von den Grünen.

Mörschwiler filmen Umzug mit Handy

Anwesende Mörschwiler reagierten verärgert. Gemeindepräsident Paul Bühler hatte die Demonstration im Vorfeld als «Stimmungsmache» eingeordnet und gesagt, man habe auch schon vorher viele Massnahmen für Flüchtlinge ergriffen. Der an der Demo als Zuschauer anwesende Abwart des Asylzentrums, Richard Kast, gibt ihm Recht. «Das stimmt überhaupt nicht, was die Demonstranten sagen in ihren Reden. Die Gemeinde hat nicht erst auf Druck der Demonstranten reagiert», ärgerte sich Kast. Ein anderer Mörschwiler erzürnte sich über den Umzug und bezeichnete die Beteiligten als «eine Randgruppe, die keine Steuern zahlt.» Matthias Fässler kontert: «Wenn wir das Gefühl haben, es passiert wenig, wollen wir darauf aufmerksam machen. So funktioniert nun mal Demokratie.» Ohne Druck sei laut ihm von der Gemeinde Mörschwil aus gar nichts passiert.

Auffallend war, dass sich der Demonstrationszug überwiegend aus Jungen und einigen Senioren der Linken zusammensetzte. «Schade, dass die mittlere Altersgruppe fehlt», äusserte sich ein 71jähriger Demonstrant. Viele Demonstranten gaben zur Auskunft, sie würden mit Flüchtlingen arbeiten und setzten sich nicht zum ersten Mal für sie ein. Ein 58jähriges Mitglied von «Aktion-Zunder» war schon auf ungefähr 500 Demos. Eine Frau mit kleinen Kindern sagte aus, ihre Mutter habe sie schon auf Demos mitgenommen. Auch war im Marsch selbst nur ein Flüchtling vertreten, aus Gambia. «Man hat den Flüchtlingen gesagt, sie sollen nicht daran teilnehmen, um nicht unnötig zu provozieren», sagte Richard Faust. Der Grund, warum keine weiteren Mörschwiler vertreten sind, erklärt sich Faust damit, dass der Anlass von «Zunder» organisiert wurde und daher für einige eine abschreckende Wirkung haben könne.

Viele Mörschwiler schienen sich gar nicht in ihrem Dorf aufzuhalten. Persönlich sind nur eine Handvoll beim Bahnhof erschienen, um dem Demo-Zug mit Handy bis zum Gemeindeplatz zu folgen und das Geschehen zu filmen. Vor dem Asylzentrum Edelweiss wurde der Umzug von zwei Velofahrern empfangen. Am vergangenen Donnerstag wurden bereits Gegenstände für das Asylzentrum in der Grabenhalle in St. Gallen gesammelt. Dabei ist laut Fässler nebst Geschirr und Kleider auch ein Kühlschrank für die Flüchtlinge abgegeben worden.

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