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Dem Schnee den Rücken kehren

Sie träumen von einem Leben an der Sonne – schon bald soll der Traum wahr werden: Ein Pärchen aus Eggersriet wandert nach Portugal aus. Ihre Sachen verkaufen sie auf Facebook.
Corinne Riedener
Manuel Kuster und Andrea Reinwald geniessen ihren letzten Winter in Eggersriet, bevor es in den Süden geht. (Bild: Urs Jaudas)

Manuel Kuster und Andrea Reinwald geniessen ihren letzten Winter in Eggersriet, bevor es in den Süden geht. (Bild: Urs Jaudas)

EGGERSRIET. Kaum sind die Schwalben weg, träumt auch so manch frierender Ostschweizer davon, in wärmere Gefilde zu ziehen. Doch nur die wenigsten tun es auch. Andrea Reinwald und Manuel Kuster sind zwei, die das Abenteuer wagen: Das Paar aus Eggersriet wandert nach Portugal aus. Nach Vale de Prazeres, einer 1000-Seelen-Gemeinde im Distrikt Castelo Branco in Zentralportugal. «Am ersten Juni dampfen wir ab», sagen sie, «wir können es kaum erwarten.»

Nachhaltiger Lebensentwurf

Wer denkt, die beiden wollen dort nur auf der faulen Haut liegen, täuscht sich. Andrea Reinwald und Manuel Kuster haben sich eine Quinta, einen kleinen Bauernhof, gekauft. Sie wollen sich künftig so weit als möglich selbst versorgen. Aber nicht etwa nach dem gängigen industriell-konventionellen Landwirtschaftsmodell: Die zwei Auswanderer setzen auf Permakultur, eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Form der Landwirtschaft, die in den 70er-Jahren von den Australiern David Holmgren und Bill Mollison entwickelt wurde.

«In den vergangenen Jahren haben wir uns viele Gedanken gemacht und unseren Lebensstil hinterfragt», sagt der kaufmännische Angestellte. «Wir wollen nicht länger Teil des herrschenden Systems sein und zeigen, dass es auch anders geht. Eben nachhaltig und verantwortungsvoll.» Der 27jährige Occupy-Sympathisant übt massive Kritik am globalisierten Finanz- und Wirtschaftssystem. Vor allem an dessen Auswirkungen auf Gesellschaft und Natur.

Ein Zuhause gefunden

«Ich wollte schon immer mal auswandern», sagt Andrea Reinwald. «Konkret wurde das Ganze vor etwa drei Jahren.» Lange Zeit wussten die beiden aber nicht, wie, wo oder wann sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen können. Darum hiess es: Sparen und den Gürtel enger schnallen. Seit kurzem sind sie nun stolze Besitzer ihrer «Quinta das Figueras». Bevor dort aber Oliven, Zitrusfrüchte und Tomaten gedeihen können, muss das 2,4 Hektar grosse Grundstück renaturiert werden. Auch das Haus ist renovierungsbedürftig. Andrea Reinwalds Vorfreude trübt dies jedoch keineswegs. Die quirlige 39-Jährige gerät ins Schwärmen. «Es war wie Heimkommen», sagt sie verträumt. «Ich liebe den Duft dieses Ortes.»

Zelt durch Crowd Funding

Trotz der Vorfreude – Illusionen machen sich die beiden keine: «Es werden sicher Probleme auf uns zukommen. Aber wir werden von Familie und Freunden unterstützt.» Unterstützung erhalten sie auch aus dem Netz. Denn bei all ihrer Liebe zur Natur und der analogen Welt – was die Finanzierung anbelangt, greifen die zwei gerne auf digitale Errungenschaften zurück: Auf der Facebook-Seite «Andrea & Manu's Secondhand» verkauft Andrea Reinwald alles, was sie im kleinen Bauernhaus in Eggersriet bald nicht mehr braucht. «Das Geld investieren wir in Saatgut und Pflanzen», sagt sie. Seit vergangenem Montag ist auch das jüngste Projekt online. Über die Crowd-Funding-Plattform «100-days.net» sammeln die Verliebten Geld für eine mongolische Jurte. Dieses traditionelle Zelt soll später Gäste beherbergen. «Sanfter Tourismus», wie Kuster es nennt.

Bis das Paar die ersten Gäste in ihrer Quinta begrüssen kann, ist noch viel zu tun. Im März reisen die beiden nochmals für zwei Wochen nach Portugal, um ihrem Traum einen weiteren Schritt näher zu kommen. Im Juni brechen sie ihre Zelte in Eggersriet endgültig ab – und bauen das bis dahin hoffentlich finanzierte Zelt in Portugal auf.

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