«Dass es mein Amt nicht mehr gäbe, hat keinen Einfluss»

Der Andwiler Gemeindepräsident Dominik Gemperli erläutert die Gründe, die den Gemeinderat gegen eine Fusion mit Gossau gestimmt haben.

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Dominik Gemperli Gemeindepräsident Andwil (Bild: Ralph Ribi)

Dominik Gemperli Gemeindepräsident Andwil (Bild: Ralph Ribi)

Herr Gemperli, bei der Medienkonferenz sprachen Sie von einem umstrittenen Entscheid des Gemeinderats. Welche Meinung hatten Sie persönlich vertreten?

Dominik Gemperli: Als Präsident vertrete ich die Meinung des Gemeinderates und keine persönliche. Es war ein kontroverses Thema. Ich selbst sähe in der Vereinigung auch Vorteile, vor allem in Bezug auf die Schule.

Sie selber haben als vollamtlicher Gemeindepräsident mit darüber abgestimmt, ob es Ihre Stelle künftig noch geben soll.

Gemperli: Das hatte auf mich überhaupt keinen Einfluss. Im übrigen werde ich noch vor der Vereinigungs-Abstimmung entscheiden, ob ich mich für eine dritte Amtsdauer zur Verfügung stelle, also unabhängig vom Abstimmungsergebnis.

Ist es für einen Gemeinderat nicht schwierig, objektiv darüber zu urteilen, ob es ihn als Gremium künftig noch geben wird?

Gemperli: Sicher ist das eine spezielle Konstellation. Aber bisherige Amtsträger könnten sich auch weiterhin politisch engagieren und sich bei Wahlen aufstellen lassen.

Ein wichtiges Argument des Andwiler Gemeinderats waren die anstehenden Investitionen in Gossau, die den Steuerfuss auf Andwiler Niveau heben könnten. Doch auch in Andwil stehen Investitionen an, die ja den Anstoss zum Fusionsprozess gaben.

Gemperli: Das ist richtig. Vor allem bei den Schulbauten, aber auch beim Gemeindehaus. In Gossau stehen im Zusammenhang mit dem Gemeindesportanlagenkonzept und den Schulhaussanierungen aber noch ganz andere Brocken an.

Und Andwil könnte seine Investitionen tätigen, ohne den Steuerfuss zu heben?

Gemperli: Wir haben berechtigte Hoffnung, dass wir für die kommenden Jahre gut aufgestellt sind. Dafür sprechen etwa die Ertragsüberschüsse der vergangenen Jahre oder der neue Wohnraum, der entsteht. Aber die Gemeindefinanzen sind von unzähligen Faktoren abhängig und Prognosen schwierig.

Ein weiteres Argument gegen eine Fusion ist der Wegfall der Bürgerversammlung. Sehen Sie darin auch Nachteile, etwa die tiefe Stimmbeteiligung?

Gemperli: Wenn jeweils lediglich etwa zehn Prozent der Stimmbürger entscheiden, kann man schon nach der Legitimation fragen. Für uns war aber ausschlaggebend, dass der Bürger nie so direkt am demokratischen Prozess teilhaben kann, wie etwa mit Wortmeldungen an der Bürgerversammlung. (jw)