Das Wetter macht die Igel krank

Die aktuellen Temperaturumschwünge und neugierige Hunde machen den Igeln zu schaffen. In Gossau sind am Schwanenweiher besonders viele der Wildtiere unterwegs. Wer jetzt auf eines trifft, kann davon ausgehen, dass es krank oder unterernährt ist.

Manuela Bruhin
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Hedgehog, isolated on white (Bild: (54455752))

Hedgehog, isolated on white (Bild: (54455752))

GOSSAU. «Das Wetter ist derzeit katastrophal für die Igel», sagt Roschi Schmitz von der Igelstation Kreuzlingen. Seit vielen Jahrzehnten nimmt sie kranke und unterernährte Igel bei sich auf, um sie aufzupäppeln und zurück in die Freiheit zu entlassen. In den letzten Wochen lief ihr Telefon heiss – im Akkord riefen besorgte Leute an, die in ihrem Garten oder in der nahen Umgebung einen Igel angetroffen haben. Gerade in Gossau, im Bereich des Schwanenweihers, sind besonders viele Igel unterwegs. Denn hier gibt es dank des Gewässers ein grosses Angebot an Nahrung und viele Möglichkeiten für einen Unterschlupf. Wer jetzt aber auf einen stacheligen Freund trifft, kann laut Schmitz davon ausgehen, dass er krank oder unterernährt ist.

Lage verschärft sich weiter

In dieser Saison sei die Lage besonders prekär. «Die Temperaturstürze, gefolgt vom vielen Schnee, machte den Igeln zu schaffen», sagt Schmitz. Es gäbe ausserordentlich viele Tiere, die rund 400 Gramm und weniger schwer und krank seien. Aber auch grössere, die eigentlich rund 900 Gramm auf die Waage bringen müssten, seien vielfach auf 600 Gramm abgemagert. Gerade in folgenden Tagen, in denen es wieder wärmer wird, befürchtet Schmitz, dass sich die Lage weiter verschärft. Milde Temperaturen reissen die Tiere nämlich aus ihrem Schlaf.

Durchschnittlich pro Tag erhalte Schmitz zwei Wildtiere, die krank oder unterernährt sind. In den meisten Fällen kann die Fachfrau die Igel wieder aufpäppeln – bei rund fünfzehn Prozent der Tiere kommt jedoch die Hilfe zu spät.

Schmitz appelliert nun, gerade in diesen Wochen wachsam zu sein. Igel halten nämlich besonders unter Gebüschen, Sträuchern, Hecken oder an Waldrändern ihren Winterschlaf. Viele Spaziergänger, die mit ihren nicht angeleinten Hunden unterwegs seien, würden die Tiere jedoch stören. Schmitz: «Es ist leider so, dass es immer wieder Hunde gibt, die die Igel ausbuddeln.» Passiere dies, solle man den Igel wieder mit Laub und Sträuchern zudecken.

Igel wägen, dann anrufen

Wer eines der Wildtiere in seinem Garten umherirren sieht, könne sein Gewicht mit der Küchenwaage ermitteln und dann die Igelstation anrufen (Telefonnummer: 079 789 74 46).

Im Gespräch wird das wei-

tere Vorgehen besprochen. Nützlich sei auch, Futterschachteln, mit Trockenfutter versehen, aufzustellen sowie seinen Garten nicht perfekt aufzuräumen. Die Igel können unter Holzpaletten, Laub und Sträuchern Unterschlupf finden. Schmitz hofft nun, dass die Temperaturen noch einmal konstant kalt werden. Denn: «Die Natur, und auch die Igel, brauchen den Winter, um sich zu erholen.»