Das Warten geht weiter

Da ändert auch der Brausilvester nichts: Aus dem geplanten Kulturzentrum in der Kirche St. Leonhard wird vorerst nichts. Es gibt keinen Austausch zwischen Eigentümer und Stadt.

Janique Weder
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Heute und morgen wird in der Kirche St. Leonhard Bier getrunken. Trotzdem: Das längst angekündigte Eventzentrum lässt weiter auf sich warten. (Archivbild: Coralie Wenger)

Heute und morgen wird in der Kirche St. Leonhard Bier getrunken. Trotzdem: Das längst angekündigte Eventzentrum lässt weiter auf sich warten. (Archivbild: Coralie Wenger)

Die Bierbrauer haben geschafft, woran andere gescheitert sind. Sie organisieren heute und morgen ihren Brausilvester in der Kirche St. Leonhard. Es ist das erste Mal seit der Aufführung des Musicals «Sister Act» und dem Grossbrand im Jahr 2007, dass Leben in das ehemalige Gotteshaus zurückkehrt. Ist das etwa der Anfang des vielfach angekündigten Kulturzentrums in der Kirche?

Den Raum austesten

Kaum. Nach diesem Wochenende geht das Warten weiter. Schon lange redet der Winterthurer Architekt und Eigentümer Giovanni Cerveda von einem Event- und Kulturzentrum in der Kirche. Ideen gab es bereits kurz nach dem Kauf, konkrete Pläne hat Cerfeda dann im Februar 2014 angekündigt. Im kommenden Halbjahr würden die Umbaupläne den Anwohnern und der Öffentlichkeit vorgestellt, hiess es damals. Nichts ist geschehen.

Heute sagt Giovanni Cerfeda: «Das Projekt ist keinesfalls stillgelegt.» Man habe sich dafür entschieden, die Kirche zuerst einmal für einzelne Events an Externe zu vermieten. So könne man den Raum austesten. Die Idee ist, in den nächsten zwei Jahren Anlässe aller Art durchzuführen: Konzerte, Hochzeiten, Firmenanlässe, Vorträge. «Wir wollen nicht investieren, ohne Erfahrungen gesammelt zu haben», sagt Cerfeda.

Mit diesen Veranstaltungen will Cerfeda auch ein Signal nach aussen senden. «Die St. Gallerinnen und St. Galler sollen merken, dass etwas geht.» Oft sei er mit dem Vorwurf des Nichthandelns konfrontiert worden. Das sei aber nicht wahr, sagt Cerfeda. Er habe vor zwei Jahren mit dem städtischen Bauamt ein Vorprojekt besprochen. Nur: «Bei den Behörden war eine Unsicherheit da, was das Projekt angeht.»

Skeptisch, nicht unsicher

Als Unsicherheit würde er das nicht bezeichnen, sagt Ernst Michel, Leiter des St. Galler Amtes für Baubewilligungen. Da Cerfedas Pläne aber nicht den rechtlichen Rahmenbedingungen entsprochen hätten, sei die Stadt dem Projekt mit einer gewissen Skepsis begegnet. So waren etwa eine Tiefgarage und eine Art Hof inklusive Mauer rund um die Kirche vorgesehen.

Michel sagt weiter, dass er vor ein paar Monaten schriftlich Kontakt mit Cerfeda aufgenommen habe, um sich nach dem Stand zu erkundigen. Eine Antwort habe er nicht erhalten. «Es herrscht Funkstille, trotz einer Initiative unsererseits.»

Details sind nicht bekannt

Giovanni Cerfeda hatte die neugotische Leonhardskirche im Jahr 2005 der Kirchgemeinde Centrum abgekauft. Über die Höhe des Kaufpreises ist Stillschweigen vereinbart worden. Die in den Medien immer wieder genannten 40 000 Franken seien falsch, sagt Cerfeda.

Zur Kritik, dass die Kirche seit Jahren leer stehe, sagt Cerfeda: «Im Hintergrund läuft sehr viel.» In den nächsten sechs Monaten, spätestens im Frühling, wolle man mit Plänen an die Öffentlichkeit gehen. Bauliche Details verrät Cerfeda nicht. Die alten Ideen wurden aber nicht verworfen. So gibt es Pläne, die Kirche zu unterkellern: für Toiletten, Technik, Lagerräume, eine Küche und Garderoben.

Infrastruktur fehlt

Noch präsentiert sich die Kirche quasi nackt. Wer einen Event durchführen will, muss für die Infrastruktur selber aufkommen. Eine kostspielige Angelegenheit. Laut Guido Albrecht, Organisator des Brausilvesters, kostet ihn die Infrastruktur plus Miete rund 20 000 Franken. Darin enthalten seien Massnahmen für den Brandschutz, sanitäre Anlagen oder ein 300 Quadratmeter grosser Festboden aus Holz.

Giovanni Cerfeda Architekt und Eigentümer der Kirche St. Leonhard (Bild: ky/Regina Kühne)

Giovanni Cerfeda Architekt und Eigentümer der Kirche St. Leonhard (Bild: ky/Regina Kühne)