«Das war ein trauriges Ereignis»

Vom 24. Juni bis am 8. Juli gingen in St. Gallen die Festspiele über die Bühne. Die Premiere der Oper «Le Cid», aufgeführt im Klosterhof, wurde verregnet. Für Theaterdirektor Werner Signer waren die Aufführungen teilweise schwierig, aber auch lehrreich.

Kathrin Reimann
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Werner Signer Geschäftsführender Direktor Konzert und Theater St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Werner Signer Geschäftsführender Direktor Konzert und Theater St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Herr Signer, die diesjährigen Festspiele sind Geschichte. Wie lautet Ihre Bilanz?

Werner Signer: Wir hatten zum ersten Mal eine schwierige Zeit. Das regnerische und gewitterhafte Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Inwiefern hat das Wetter die Aufführungen beeinträchtigt?

Signer: Von insgesamt sieben Aufführungen im Klosterhof wurden drei verregnet. Eine Aufführung mussten wir komplett absagen.

Gab es für diese einen Ersatz?

Signer: Wir haben «Le Cid» dann im Theater aufgeführt. Aber das will kaum einer sehen. Unser Publikum kommt wegen der Szenerie und dem Kontext, die es nur im Klosterhof gibt.

Entstanden durch das Wetter finanzielle Einbussen?

Signer: Ja, die gab es definitiv. Das schlechte Wetter war für den Kartenverkauf eine Katastrophe. Glücklicherweise hatten wir 2015 ein Rekordjahr, das hat unsere Rechnung wieder ausgeglichen. Dank des guten Vorjahres konnten wir die diesjährigen Festspiele also ganz entspannt angehen.

Ausserdem hatten Sie ja nicht nur Pech mit dem Wetter ...

Signer: Drei Opernaufführungen fanden unter sensationellen Wetterbedingungen statt. Auch beim Abschluss der Festspiele zeigte sich Petrus versöhnlich und bescherte uns traumhaftes Wetter.

War es tatsächlich das erste Mal in der elfjährigen Festspiel-Geschichte, dass es während der Premiere geregnet hat?

Signer: Ja. Ein trauriges Ereignis. Denn das Publikum ist wegen der Ponchos visuell und vor allem auch akustisch eingeschränkt. Auch für die Darsteller ist es hart. Während sechs Wochen wurde geprobt und dann kann das Publikum die Vorstellung nicht richtig wahrnehmen.

Haben Leute die Vorstellung während der Premiere verlassen?

Signer: Das kann ich nicht beurteilen, da ich damit beschäftigt war, das Wetter zu beobachten. Die Prognosen änderten sich alle 15 Minuten, die Lage war sehr labil und angespannt. Immerhin habe ich dabei viel über das Wetter gelernt. Grundsätzlich ist bei Open-Air-Veranstaltungen aber damit zu rechnen, dass es regnen kann.

Werden Sie aufgrund der diesjährigen Erfahrung 2017 etwas ändern?

Signer: Wetterpech führt bei uns nicht zur Kursänderung. Wir sind unserem Inhalt verpflichtet und spielen weiterhin Raritäten im Klosterhof.

Und was ist für die nächsten Festspiele konkret geplant?

Signer: Mit der Oper «Loreley» von Alfredo Catalani zeigen wir nächstes Jahr ein Stück, dass hervorragend für die Festspiele geeignet ist, weil es eine gewisse Opulenz mitbringt. Zudem hoffen wir, dass wir wettertechnisch unseren Zoll gezahlt haben.