Das Thurnherr-System

Die Entsorgung und Wiederverwertung von Abfall beschäftigte Viktor Thurnherr sein ganzes Arbeitsleben. Nun geht er in Pension. Die Abfallregion von 40 Gemeinden leitet neu Thomas Huber.

Fritz Bichsel
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Abschied vom A-Sack in der Geschäftsstelle in Rorschach: Der Rorschacher Viktor Thurnherr übergibt die Geschäftsführung der Abfallregion St. Gallen-Rorschach-Appenzell an Thomas Huber aus Häggenschwil. (Bild: Fritz Bichsel)

Abschied vom A-Sack in der Geschäftsstelle in Rorschach: Der Rorschacher Viktor Thurnherr übergibt die Geschäftsführung der Abfallregion St. Gallen-Rorschach-Appenzell an Thomas Huber aus Häggenschwil. (Bild: Fritz Bichsel)

Obwohl er sich täglich damit befasste, fallen sie Viktor Thurnherr noch auf: Kehrichtsäcke mit dem orangen A, Container mit Kehrichtgebühr nach Gewicht, Kehrichtwagen in einem ausgeklügelten System auf Sammeltour und unterwegs zur Kehrichtverbrennung in St. Gallen, Haufen von Altpapier, einheitliche Sammelcontainer für Glas und Blech.

Von der Abfuhr zum Recycling

Stationen in der Arbeit von Viktor Thurnherr spiegeln unseren Umgang mit Abfällen.

Von der aus Steuergeld finanzierten Abfuhr aller Materialien vom Strassenrand zu möglichst viel Wiederverwertung und zum Verursacherprinzip beim Finanzieren der Entsorgung.

Nach dem Ingenieurstudium arbeitete Viktor Thurnherr bei der Gemeinde Oberriet und ab 1978 bei der Stadt Rorschach als Leiter Tiefbau. Farbe von Kehrichtsäcken und Grösse von Sperrgut waren noch kein Thema.

Trotzdem befasste sich der Tiefbauchef bereits mit Abfall: mit der von Rorschach betriebenen Deponie für die Region und als Kommissionsmitglied mit dem Transportkosten-Ausgleich unter den Gemeinden in der Region Rorschach, um St. Gallen und im Appenzellerland, die den Kehricht in die Verbrennungsanlage in St. Gallen liefern. Dann kamen Kehrichtsäcke mit Gebühr auf, Gemeinden der Region Rorschach einigten sich dann auf ein einheitliches System.

Vom Sackverbund zur A-Region

Der Tiefbauchef leitete ab 1990 diesen Sackverbund. Und weil sich auch bei Verkehr, öffentlichen Anlagen und weiteren Bereichen Aufgaben zur Region verschoben, wurde Thurnherr 1995 erster Geschäftsführer der Regionalplanung unter Leitung des damaligen Stadtammanns Marcel Fischer.

Auch Gemeinden in der Region St. Gallen wünschten eine einheitliche Sackgebühr. Weil die Stadt allein bei ihrer blieb, gingen sie in den Verbund Rorschach. Dieser zog weitere Kreise, bis alle 40 Gemeinden, die den Kehricht in St.

Gallen verbrennen lassen, 2002 die Abfallregion St. Gallen-Rorschach-Appenzell bildeten – anstelle von 27 Systemen. Logisch, dass diese Viktor Thurnherr als Geschäftsführer vollamtlich anstellte. Was Thurnherr aufgebaut hat, bewährt sich nun bis zum Alpstein. Und auch in Gemeinden im Süden des Kantons St. Gallen, die sein System ebenfalls übernahmen.

Albert Etter, der als Gemeindepräsident von Wittenbach die A-Region präsidiert, sprach bei der Übergabe der Geschäftsführung vom Ende einer Ära, von «intensiver und guter Zeit bei vollem Vertrauen in den Geschäftsführer»: «Viktor Thurnherr ist das Synonym für mehr als 30 Jahre erfolgreiches Engagement für Abfallverwertung.» Der Ingenieur hatte sich auch in die kaufmännischen Belange eingearbeitet – unter anderem zum Aufbau von Recyclingsystemen bei Papier, Glas und Blech im dafür entstandenen Markt.

Sein Nachfolger Thomas Huber bringt als Verwaltungsfachmann, Rechtsagent und bisheriger Gemeindepräsident von Häggenschwil Erfahrungen mit und arbeitet sich nun auch in die technischen Belange ein.

Aus dem Büro aufs Velo

Viktor Thurnherr fühlt sich derweil gut für den Start in den Ruhestand, «nachdem ich alle Projekte abschliessen konnte und einige hundert Kilo Papier entsorgt habe». Er hat bereits ein Ehrenamt übernommen und prüft weitere solche Anfragen.

Vorerst aber will er sich aufs Velo schwingen, so während einiger Wochen in Spanien im Bereich des Jakobsweges.