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Das Stehaufmännchen

Er ist keiner, der halbe Sachen macht. Er will zu Ende bringen, was er einmal begonnen hat. Und er hat in den letzten sechs Jahren gelernt, die Nerven nicht zu verlieren.
Daniel Weder, Geschäftsführer des Kugl, kämpft um die Existenz seines St. Galler Kulturlokals. (Bild: Reto Martin)

Daniel Weder, Geschäftsführer des Kugl, kämpft um die Existenz seines St. Galler Kulturlokals. (Bild: Reto Martin)

Das Stehaufmännchen

Er ist keiner, der halbe Sachen macht. Er will zu Ende bringen, was er einmal begonnen hat. Und er hat in den letzten sechs Jahren gelernt, die Nerven nicht zu verlieren. Daniel Weder ist seit der Eröffnung des Kugl (Kultur am Gleis) im Jahr 2004 dessen Geschäftsführer. Nach jahrelangem Rechtsstreit steht der Kulturbetrieb im alten St. Galler Güterbahnhof vor dem Aus. Das Verwaltungsgericht hat Mitte März entschieden, dass das Kugl nicht zonenkonform sei. Das heisst, dass es künftig am Wochenende um 1 Uhr schliessen müsste.

Für den Kulturbetrieb bedeutete dies den Todesstoss. Ein Schock für den Geschäftsführer. Denn das Kugl ist für ihn nicht einfach irgendein Lokal, das er zufällig führt. Es ist sein kulturelles Kind. Sein zweites Zuhause.

Vom Bau zur Kultur

Weder ist im appenzellischen Gais aufgewachsen. Mitten im Dorf, in einer Handwerkerfamilie. Gelernt hatte er zuerst Autolackierer, dann Maler. Nach Praktika im sozialen Bereich landete er auf dem Bau. In Richtung Kultur zog es Weder aber schon immer.

Schon als Teenager habe er Schuldiscos organisiert, sagt der 35-Jährige. Es folgten erst private, dann öffentliche Open Airs sowie Garagen-Parties. Als Weder von einer viermonatigen Reise aus Nepal zurückkam, hatte er genug vom Bau. Anfang 2003 hatte er gemeinsam mit vier Kollegen die Idee, in St. Gallen einen neuen Veranstaltungsort zu schaffen. Zu einer Zeit, in der die Jugend nach Party-Alternativen lechzte.

Die Männer gründeten eine Gesellschaft, entwarfen ein Konzept für das Lokal. Und sie investierten alles: Viel Geld und noch mehr Herzblut. Das ehemalige Cargo-Domizil-Gebäude im Güterbahnhof bauten sie eigenhändig um. «Im nachhinein eigentlich eine recht naive Idee», sagt Weder.

Auf Standortsuche

Er musste von einem Tag auf den anderen lernen, ein Lokal zu führen. Nebenbei machte Weder für die Grünliberalen erste Gehversuche in der Politik, kandidierte erfolglos als Stadt- und Kantonsrat. Der Kugl-Macher ist in den letzten Jahren ein paar Mal hingefallen. Und immer wieder aufgestanden. Manchmal habe er zwar daran gedacht, den ganzen Bettel einfach hinzuschmeissen, sagt Weder. «Aber dann hätte ich nicht mehr in den Spiegel blicken können.» Weder geht es nicht nur um die nackte Existenz, um sein ganzes Geld, das im Lokal steckt. Vielmehr treibt ihn seine Leidenschaft für Kultur, seine Begeisterung für die Gallusstadt. «St. Gallen braucht Lokale wie das Kugl.»

Was nach dem Schock und dem Wirbel der letzten Wochen bleibt, sind viele offene Fragen. Und ein Funken Hoffnung. Gegenwärtig laufen Gespräche mit der Stadt. Es soll festgelegt werden, ob und wie es mit dem Kugl längerfristig weitergehen kann. Weder will auf jeden Fall weitermachen. Die Frage ist nur wie. Und wo. «Ein Standortwechsel ist wahrscheinlich vor 2012 nicht machbar. Aber wir sind am Suchen.»

Der Schock ist dem Antrieb gewichen. Aus dem herben Rückschlag ist eine neue Herausforderung im Leben von Stehaufmännchen Weder geworden. (mke)

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