Das Spiel mit dem Rappen

Wegen Dauerlärms und mangels eines geeigneten Platzes kann «Jeder Rappen zählt» nicht nach St.Gallen kommen. An einer CVP-Veranstaltung wurden nun andere Gründe ins Spiel gebracht. Bei der Stadt will sich niemand dazu äussern.

David Gadze
Drucken
Teilen
Im vergangenen Jahr war «Jeder Rappen zählt» für einen Tag in St. Gallen zu Gast. Dieses Jahr gibt es keine Neuauflage der Veranstaltung. (Bild: Ralph Ribi)

Im vergangenen Jahr war «Jeder Rappen zählt» für einen Tag in St. Gallen zu Gast. Dieses Jahr gibt es keine Neuauflage der Veranstaltung. (Bild: Ralph Ribi)

Eigentlich wollte «Jeder Rappen zählt» seinen Pavillon dieses Jahr in St.Gallen aufstellen. Die Spendenaktion von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sollte während einer Woche rund um die Uhr live aus der Innenstadt gesendet werden (Tagblatt vom 15. November). Die Stadt legte aber ihr Veto ein: Wie Isabel Schorer, Leiterin Standortförderung, und Stadtpräsident Thomas Scheitlin gegenüber dem Tagblatt erklärten, wolle man «keine 24-Stunden-Beschallung». Ausserdem gebe es in der Innenstadt während der Vorweihnachtszeit keinen geeigneten Ort für eine solche Veranstaltung.

Stadträtin nennt weitere Gründe

Vergangenen Mittwoch war auf der Facebook-Seite der CVP jedoch zu lesen, dass es offenbar auch andere als die genannten Gründe für die Absage gegeben haben soll. Wie an einer öffentlichen Veranstaltung der CVP am Vorabend gesagt worden sei, sollen sich die «wahren» Gründe «an einem anderen Ort» verborgen haben. Die Rede ist von «absolut überrissenen Forderungen», welche das Schweizer Fernsehen gestellt habe. «Die Stadt hätte Parkplätze zuweisen, Büro-Container gratis zur Verfügung stellen, Lärmregeln ausser Kraft setzen, den Weihnachtsmarkt verschieben, Aufräum- und Putzequipen stellen und diverse Unterstützungsarbeit leisten müssen – das ganze natürlich gratis», heisst es im Eintrag. Ausserdem sei informiert worden, dass «Jeder Rappen zählt» eigentlich gerne wieder auf dem Berner Bundesplatz «seinen Palast aufgeschlagen» hätte. Die Berner Behörden hätten aber wie jene von St.Gallen abgewinkt, da der Schaden grösser sei als der mögliche Ertrag.

Das Pikante daran ist, dass diese Äusserungen zum grossen Teil von Stadträtin Patrizia Adam gekommen sein sollen. «Ich habe lediglich eine Frage aus dem Publikum beantwortet», sagt Adam. Die grundsätzliche Frage, warum ein Mitglied des Stadtrats an einer öffentlichen Veranstaltung solche Details preisgibt und andere Gründe anführt, nachdem sich der Stadtpräsident bereits in den Medien dazu geäussert hat, bleibt unbeantwortet.

Keine Auskunft wegen Vorstoss

Falls tatsächlich die genannten (und durchaus stichhaltigen) Gründe zur Absage an SRF geführt haben sollten, stellt sich auch die Frage, warum die Stadt sie nicht kommuniziert hat. Stadtpräsident Thomas Scheitlin verwies gestern auf eine Einfache Anfrage von Juso-Stadtparlamentarierin Monika Simmler. Bevor diese beantwortet sei, könne er sich nicht äussern, um das Erstinformationsrecht des Parlaments nicht zu verletzen. «Der Stadtrat ist derzeit in der Ausarbeitung der Antworten.»

Mit derselben Begründung wollte sich auch Isabel Schorer, Leiterin der städtischen Standortförderung, nicht zum Thema äussern. Es sei richtig, dass SRF verschiedene Bedingungen gestellt habe. Diese seien mit den Verantwortlichen von «Jeder Rappen zählt» aber gar nicht erst im Detail diskutiert worden, da die Stadt keinen 24-Stunden-Betrieb während sieben Tagen in der Innenstadt dulden wollte. Da man sich bereits in diesem Punkt nicht mit SRF habe einigen können, sei die Veranstaltung vom Tisch gewesen.

Luzern statt St.Gallen

Diese Darstellung wird von SRF bestätigt. «Nachdem klar war, dass die Veranstaltung unter diesen Bedingungen für die Stadt St.Gallen nicht in Frage kommt, haben wir beschlossen, sie an einem anderen Ort durchzuführen», sagt Susanne Witzig, Projektleiterin von «Jeder Rappen zählt». Gesendet wird nun aus Luzern. Auf die Antwort auf die Einfache Anfrage von Monika Simmler darf man jedenfalls gespannt sein.