«Das schwächt den Standort Arbon»

Mit der angekündigten Schliessung des von der Migros geführten Hotels Metropol verlöre Arbon einen Fünftel der Bettenkapazität. Jetzt wächst der Druck auf den neuen Arealeigentümer HRS, den Hotelstandort zu erhalten.

Max Eichenberger
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arbon. Im Bemühen darum, den Hotelstandort zu erhalten, ist es zu einem Schulterschluss der Parteien gekommen. Ein Komitee lanciert eine Petition «Rettet das Hotel Metropol!» (Tagblatt vom 5. Juli). Im November, wenn die Migros mit dem Supermarkt den Standort an der Bahnhofstrasse verlässt und in der Zentrumsüberbauung «Rosengarten» eröffnen wird, läuft auch der Betrieb des Hotels Metropol aus. Das hat der Migros-Verwaltungsrat so entschieden.

HRS plant ohne Hotelbetten

Die neue Eigentümerin HRS hegt andere Pläne, die aber noch nicht konkret sind: Gastronomie, Gewerbe und Verkauf sowie in den Obergeschossen Wohnungen sind die vorläufigen Nutzungsideen. Damit ist auch ziemlich klar: HRS will die 48 Jahre alten Gebäude schleifen und einen Neubau hochziehen. Ohne Hotelbetten: «Vom Bau eines neuen Hotels wird zum heutigen Zeitpunkt abgesehen, da die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist», sagte HRS-Geschäftsleitungsmitglied Paul Somm nach dem Erwerb.

«Arbon verliert auf einen Schlag einen Fünftel des Bettenangebotes. Das ist enorm viel und trifft uns sehr», sagt Sandro Forster, Präsident des Verkehrsvereins Arbon und Umgebung (VVA). Betroffen seien am Ort auch andere Wirtschaftszweige, wenn ausreichend Unterkunftsmöglichkeiten fehlten. «In Arbon haben wir heute 357 Betten. 70-<Metropol>-Betten fallen weg. Hinzu Ende Jahr auch noch 12 des <Bellevue>», verdeutlicht Infocenter-Leiterin Bernadette Keller das öffentliche Wehklagen mit Zahlen. «Wir, und damit auch die Stadt, werden künftig Probleme haben, den Seeparksaal gescheit zu vermarkten, wenn wir nicht am Ort genügend Hotelbetten zur Verfügung stellen können», schwant Forster Ungemach. «Das kratzt am Image und schwächt den Standort Arbon.»

Ziehen auch Topanlässe ab?

Kongresse oder Firmenanlässe, die Wertschöpfung bringen, könnten einen Bogen um Arbon machen. Trotz grosszügigem Schwimmbad drohen Topanlässe wie die internationalen Synchron-Schweizer-Meisterschaften abzuwandern. Die Hotellerie profitiert auch von Events in St. Gallen. Ob Olma-Aussteller, Kongressteilnehmer oder Sportclubs: In Arbon wird gerne abgestiegen.

Enttäuscht von der Migros

Auch der Ferientourismus käme in Bedrängnis. Darum brauche Arbon einen adäquaten <Metropol>-Ersatz an dieser «phänomenal guten Lage». Es könne darum nicht sein, dass dort, an einem traditionellen Hotelstandort, nur Wohnbauten hingestellt würden.

Enttäuscht von der Migros zeigt sich Vizestadtammann Patrick Hug. Als Veräusserin habe sie Versprechen, die öffentlichen Interessen zu wahren, nicht eingehalten. «Das soziale hat offenbar knallhartem Renditedenken Platz gemacht.» Jetzt müsse man versuchen, mit HRS eine Lösung zu finden, sagt Hug. «An dieser Premiumlage kein Hotel: Das ist für mich eine Katastrophe.»